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BEVOR DER TOD UNS SCHEIDET© Leni Kastl (22.07.09)
Frauen, die sich von Gewalt in der Beziehung befreit haben
Die ehemalige an.schläge-Redakteurin Martina Madner hat in Zusammenarbeit mit den österreichischen Frauenhäusern mit drei Frauen gesprochen, die Gewaltbeziehungen mit Männern buchstäblich überlebt haben und diese Berichte zu Erzählungen zusammengefasst.
aß nicht eine Vielzahl von Geschichten aneinandergereiht, sondern einige wenige dafür umso ausführlicher dargestellt wurden, macht den besonderen Wert dieses Buches aus. Hier erfahren wir über das Kennenlernen, wo noch nicht oder nur rückwirkend der Beziehungsverlauf abzusehen ist, zu den ersten Zuspitzungen, von eskalierender Gewalt, Phasen von Verhaltenskorrekturen des Täters und des Verzeihens, was dann doch nicht lange anhält. Scham mit dem dazugehörigen Schweigen, der-Kinder-wegen Durchhalten und das Hoffen auf Besserung der Situation. Täter, die die Frauen immer weiter isolieren und kontrollieren.
Ganz klar aufgeräumt wird mit der verbreiteten Meinung, dass Frauen, die Opfer werden, Beziehungsmuster suchen, die sie zu gewalttätigen Männern führen: Alle drei Frauen hatten vorher positive Partnerschaften gelebt und sahen sich unvermittelt einer anderen Situation gegenüber. Hingegen wird offensichtlich, dass die Täter nur durch deutliche Grenzziehungen der Gesellschaft, am Besten in Form des Justizapparats, zu Verhaltensänderungen zu bringen sind - und offenbar keine Probleme haben, schnell wieder eine neue Partnerin und vermutlich neues Opfer zu finden.
Die drei lebensgeschichtlichen Erzählungen sind an manchen Stellen unterbrochen von abgesetzten Zwischenkapiteln, in denen die individuelle Geschichte mit soziologischen Sachverhalten in Verbindung gebracht, das Muster der Männergewalt und mögliche Gegenstrategien erörtert werden. Diese Herangehensweise finde ich gut, sachliche Information mit dem persönlichen Erleben zu verbinden auf eine Weise, die den Opfern die Subjektposition zugesteht und in den Vordergrund rückt.
Erschüttert war ich über das Ausmaß der Gewalt und ich habe zwischendurch überlegt, ob es nicht lehrreicher sei, leichtere, “alltäglichere” Gewaltformen mit einzubeziehen und damit auf die große Verbreitung hinzuweisen. Ich habe ja auch das Buch “Das Fremde in mir” von Constance Ohms über Gewaltdynamiken in Beziehungen unter Frauen rezensiert, hier wurde als Beispiel für eine Gewalthandlung beschrieben, wie eine Partnerin im Streit aus Wut mit der Hand gegen die Wand schlug. Im vorliegenden Buch hingegen kommt keine ohne körperliche Verletzung davon.
Das Thema der häuslichen Gewalt wird also Aktualität behalten und da ist nun ein Buch speziell zur Situation in Österreich - im Anhang gibt es einen ausführlichen österreichweiten Adressenteil zu Hilfe bei Gewalt an Frauen (und Kindern) - ein guter Beitrag zur Information und Bewusstseinsbildung.
 Martina Madner Bevor der Tod uns scheidet Frauen, die sich von Gewalt in der Familie befreit haben
Verlag Carl Ueberreuter, 2009 208 Seiten, gebunden € 19,95 / sFr 34,80 ISBN: 978-3-8000-7412-9
Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)
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