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VERLIEBT, VERZOPFT, VERWEGEN© DV8-FILM Presse (03.11.09)
Geschichten lesbischer (Un-)Sichtbarkeit im Wien der 50er und 60er Jahre
identities.Distribution, der Filmverleih des Queer Film Festivals Wien, präsentiert angesichts des jüngsten unwürdigen Kapitels einer rechtlichen Gleichstellung einen österreichischen Dokumentarfilm mit besonderer Aktualität.
verliebt, verzopft, verwegen Geschichten lesbischer (Un-)Sichtbarkeit im Wien der 50er und 60er Jahre Österreich 2009, 64 min, Farbe und S/W
Ein Film von Katharina Lampert und Cordula Thym Mit Rosmarin Frauendorfer, Ursula Hacker, Birgit Meinhard-Schiebel
Ein Tabu. Eine historische und visuelle Leerstelle. Eine queere Doku aus Österreich (!).
anz schön grau und verzopft war die Bundeshauptstadt anno dazumal. Die Szene war - sofern es sie überhaupt gab - schwul. Besonders einladend wirkte der sogenannte “Sub” jedoch nicht: Im Falle der (nicht seltenen) Polizeirazzien mussten Lesben und Schwule schön gesittet an den Tischen sitzen - ganz “normal” und “unauffällig”. Lesbisches Leben fand im Privaten, Verborgenen statt. Bilder davon gibt es, im Gegensatz zu anderen Ländern, in Österreich nur sehr wenige. Diese visuelle Leerstelle existiert - mit einer Unterbrechung in den gut dokumentierten 1970er Jahren, in denen die Lesbenbewegung politisch wie medial durchaus präsent war - im Grunde bis heute.
Katharina Lamperts und Cordula Thyms ambitioniertes Regiedebüt beschäftigt sich mit Lebensmodellen und Netzwerken lesbischer Frauen in Wien in den 1950ern und 60ern. Im Mittelpunkt von verliebt, verzopft, verwegen stehen Interviews mit drei Zeitzeuginnen, die sich zu jener Zeit in der Szene bewegten und auf eloquente, unterhaltsame und erfrischend (selbst-)ironische Weise davon berichten, wie es war, sich schon in ihrer Jugend als “anders” zu erleben und trotz der gesellschaftlichen Hindernisse und ohne positive lesbische Vorbilder ihre eigene Identität zu finden.
“Ich hab in meinem Leben vielleicht ein bisserl zu viel Rüscherlbluserl angehabt, obwohl ich gar nicht der Typ dafür bin.” (Rosmarin Frauendorfer im O-Ton)
Rosmarin Frauendorfer, 1942 in Wien geboren und aufgewachsen, Schauspielerin und ORF-Sprechtrainerin, hatte ihr “langsames stotterndes Coming-out” mit 24 in Deutschland. Bemüht, das Klischeebild vom “anderen Ufer” tunlichst zu vermeiden - will heißen wie ein “Mann” auszusehen -, trug Rosmarin “wohl ein bisserl viel Rüscherlbluserl”, obwohl sie “gar nicht der Typ dafür” war. Ursula Hacker, Jahrgang 1946 und im Wiener Gemeindebau Karl-Marx-Hof groß geworden, war schon als Schülerin in ihre Lehrerin verschossen. Auch die “Hetero-Vergangenheit” vieler Lesben ist in verliebt, verzopft, verwegen Thema. So war etwa Birgit Meinhard-Schiebels damaliger Freund alles andere als beglückt, als der von ihm vorgeschlagene Besuch eines Schwulenlokals den ersten Kuss seiner Freundin mit einer Frau und mit ihrem Coming-out dann das Ende der Beziehung zur Folge hatte.
In ihrer 5jährigen Recherche- und Überzeugungsarbeit erhielten die Filmemacherinnen zahlreiche Absagen auf Interviewanfragen. Dass Lesben “immer und überall” zu finden sind, in Politik, Wirtschaft, Kultur, in Schulen, in Fabriken ist eine Tatsache. Die Tendenz zur Unsichtbarmachung in der Gesellschaft jedoch genauso - bis heute. verliebt, verzopft, verwegen ist ein enorm wichtiger Film, damit sich das endlich ändert.
Preise und Auszeichnungen
Publikumspreis “bester Dokumentarfilm” - identities 2009. Queer Film Festival Wien Jury Award Documentaries “Special Mention” - QueerLisboa13 Zweiter Platz DOKULA Publikumspreis - Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg 2009
Pressestimmen
“Ihre berührenden und amüsanten Geschichten machen diesen Film zu einem kostbaren Dokument; eine facettenreiche Darstellung dieser Zeit, die zum Nachdenken über eigene Lebenswege anregt.” (Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg 2009)
“The Jury decided to award a Special Mention to Austrian Documentary verliebt, verzopft, verwegen, by Katharina Lampert and Cordula Thym, “a well-crafted first film offering a glimpse of our past via an optimistic portrait of older lesbians and their lives.”” (QueerLisboa13, 2009)
Kinostart Österreich
Ab 20. November 2009 im Filmcasino Wien Ab 14. Dezember 2009 im Top Kino Wien Anschließend in den anderen Bundesländern
www.verliebtverzopft.at www.identities.at
WEITERFÜHRENDES: Auf der Suche nach dem “Sub” - Interview mit den Filmemacherinnen in an.schläge November 2009
Bild: DV8-FILM Presse
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