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MAGAZIN

OUTDOORTRAINING MIT SCHüLERINNEN

© Jutta Ninić, Daniela Knie (10.02.10)


Sport

Körperwahrnehmung, Stärkung, (Selbst-)Vertrauen und Solidarität

TrauDi - Outdoortraining für Frauen ist ein Selbsterfahrungsangebot von Jutta Ninić und Daniela Knie, das das Erkennen und Nutzen der eigenen Ressourcen und jener der Gruppe fördert. Hier schildern die beiden eines ihrer Trainings, das sie mit Schülerinnen in Wien durchgeführt haben.



TrauDi - Outdoortraining für Frauen und Mädchen, Foto: © Marcelo Gerevini

m folgenden Text werden Auszüge aus einem mit 17-jährigen Schülerinnen durchgeführten Outdoor-Training vorgestellt. Übungen mit geringem Materialaufwand standen dabei im Vordergrund.

Vorbemerkungen

Durch die Bewältigung ungewohnter Aufgaben konnten die Schülerinnen das Repertoire ihrer Erfahrungen erweitern und ihren Selbstwert stärken. Den “Kontext” Schule zu verlassen und die Natur als Bewegungsraum zu nützen, erleichterte das Einlassen auf den Selbsterfahrungsprozess. Mit den Reflexionsfragen konnte das in den Übungen Erlebte verdichtet werden, um den Transfer in den Alltag zu ermöglichen. Darüber hinaus wurde der Lebensraum der Schülerinnen um einen (möglichen) Erholungsraum erweitert, den sie (neu) erfuhren und der Körperwahrnehmung, Entspannung und handlungsorientiertes Lernen ermöglichte. Im Anschluss stellen wir einige Übungen aus dem Training vor.

Baumriesinnen

Dieses Spiel dient dazu, in Bewegung zu kommen. Da die Riesinnen und die Bäume als Bewegungsbilder später noch eine wichtige Rolle spielen, wird dieses als “Drittabschlagen” bekannte Spiel hier eingesetzt. “Ihr seid Baumriesinnen, die immer gern jemanden zum Plaudern haben. Stellt euch zu zweit nebeneinander auf. Gut verwurzelt steht ihr im Sumpf. Nur zwei Baumriesinnen nicht, da läuft die eine der anderen davon. Die gejagte Baumriesin kann dem ein Ende setzen, indem sie bei einem anderen Baumpaar Schutz sucht. Da löst sich nun die äußere Baumriesin und jagt die Baumriesin, die zuvor gejagt hat.”

Knoten ins Seil

Die Schülerinnen werden in zwei Gruppen geteilt. An einem Ende des Seils befindet sich die eine Hälfte der Gruppe, am anderen Ende die andere. Jede Person fasst das Seil und darf es nicht mehr aus der Hand geben, als wäre es festgeklebt. Es wird nicht miteinander gesprochen. Aufgabe ist es, in der Mitte des Seils einen Knoten zu machen, wofür 10 Minuten Zeit ist. Bevor die Übung beginnt, fragt die Trainerin, ob die Gruppe bereit ist, die Aufgabe anzunehmen, um mögliche Widerstände herauszufinden. Reflexion: Jede Schülerin nimmt ihre drei Gegenstände an sich (aus einer vorigen Übung, die in diesem Text nicht beschrieben wurde) und setzt sich an den Rand eines Kreises, der mit dem Seil gebildet wird. In der Mitte des Kreises liegt ein Stein. Auf Fragen nach der Zusammenarbeit legen die Schülerinnen ihre Gegenstände zwischen Stein und Kreis. Mit dem Ort der Ablage wird die Antwort ausgedrückt: Je weiter der Gegenstand vom Stein weg ist, umso schlechter ist die Einschätzung der Zusammenarbeit. Keine spricht dabei. Wenn alle Gegenstände platziert sind und die Schülerinnen wieder im Kreis sitzen, kann jede, die will, kurz ihre Einschätzung kommentieren. Nach der Reflexion bleiben die Gegenstände im Kreis liegen.

Bildbetrachtung

Durch das Legen der Gegenstände in den Kreis ist ein Bild entstanden. Dieses bildet die Einschätzung der Zusammenarbeit der Schülerinnen ab. “Dies ist euer gemeinsames Bild. Geht herum, schaut es euch von den verschiedenen Seiten an und lasst es auf euch wirken. Jede, die will, kann über das Bild bzw. über ihre Platzierung der Gegenstände sprechen.” Mögliche anleitende Fragen der Trainerin zu Wortspenden können sein: “Wie spüre ich, dass ich mir selbst vertraue?”, “Wie kommt man zu Vertrauen?”, “Was hat gut funktioniert und wieso?” Reflexionen zur Zusammenarbeit können Konflikte sichtbar machen, die jedoch über Fragen zum eigenen Empfinden in der spezifischen Situation abgefangen werden: Die Schülerinnen sollen nicht über andere, sondern über sich selbst sprechen: “Welche Gefühle hast du, wenn XY sich soundso verhält?”

Trust Fall

Eine Schülerin steht auf dem Tisch (oder Sessel, nach Wahl der Schülerin) mit dem Rücken zur Gasse. Die Trainerin steht ebenfalls oben gegenüber der Schülerin (bei Sesselhöhe steht die Trainerin am Boden) und hat Blickkontakt mit der Schülerin. Sie achtet darauf, dass der Körper der Fallenden angespannt ist und gerade nach hinten fällt, dass die Fängerinnengruppe konzentriert ist und dass die Fallende gerade in die Gruppe fällt. Sie bietet der Schülerin auch an, sie gegebenenfalls beim Fall zu unterstützen. Die anderen Gruppenmitglieder bilden eine Gasse vor dem Tisch. Die Schülerin auf dem Tisch lässt sich mit fest angespanntem Körper rückwärts fallen und wird von der Gruppe aufgefangen. Die Position und Handhaltung der Fängerinnen ist folgende: Die Fängerinnen stehen aufrecht mit leicht gebeugten Beinen dicht nebeneinander in der Gasse. Die Arme sind im Ellbogen 90° abgewinkelt, die Oberarme liegen am Körper an. Die Handflächen sind nach oben gedreht und zwischen den eigenen Händen müssen immer zwei Hände von anderen Schülerinnen sein. Die Fallende kreuzt die Arme vor der Brust. Vor dem Fall fragt die Trainerin die Fängerinnen: Seid ihr bereit! Nur wenn ein klares und eindeutiges Ja als Antwort kommt, darf die Fallende fallen. Sie sagt, bevor sie fällt: Ich falle. Jede, die dran kommen will, soll die Möglichkeit bekommen!

Resumée

Die Feedbacks der Schülerinnen ließen erkennen, dass das Vertrauen im gemeinsamen Tun aufgebaut und die Körperwahrnehmung geschärft wurde.

TrauDi - Outdoortraining für Frauen und Mädchen
Diplompädagogin Jutta Ninić und Maga. Daniela Knie
Akademische IOA© Trainerinnen nach dem handlungsorientierten Ansatz der integrativen Outdoor-Aktivitäten
www.juttaninic.at/outdoor/traudi2.htm

Foto: © Marcelo Gerevini



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