|
Login
Information
Kommunikation
|
NOTBURGA, TöDIN, HALLOWEEN: FRAUEN STERBEN ANDERS?© Ruth Devime (29.10.10)
Literaturhinweise und Webtipps
Es gab Zeiten, da war Halloween, das Fest der - wörtlich - Heiligen Frau, ein Festtag für die Toten zum Gedenken. Ruth Devime empfiehlt anlässlich dieses Festes Bücher und Links zum Thema Tod und Trauer aus feministischer Sicht.
orab eine Rezension:
Schwester Tod
Weibliche Trauerkultur, Abschiedsrituale, Gedenkbräuche und Erinnerungsfeste von
Erni Kutter
Kösel Verlag, 2010, ISBN: 978-3-466-36877-8
Es gab Zeiten, da war Halloween, das Fest der - wörtlich - Heiligen Frau, ein Festtag für die Toten zum Gedenken. Für Alle, die in letzter Zeit einen lieben Menschen verloren haben, sind der Rummel und die Vermarktung dieses Festes ein Greuel. Auch die mexikanische Art der Toten zu gedenken, die langsam auch in unseren Breiten modern wird, erfüllt nicht immer das Bedürfnis vieler Frauen nach Trauer und Gedenken.
Ein Buch, das diesen Frauen Trost geben kann, ist das neue Buch “Schwester Tod” von Erni Kutter. Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Erni Kutter mit Frauengeschichte, Kulturanthropologie, Mythologie und spirituellen Frauentraditionen. Wie sehr, die nicht nur mittelalterliche “Ars moriendi”, die Kunst des Sterbens mit der “Ars vivendi” der Kunst zu Leben verbunden ist, zeigt die Autorin auf beeindruckende Weise.
“Ohne Sterben kein Neubeginn”, mit diesem Kapitel beginnt Erni Kutter ihr einzigartiges Buch über die Symbole als Sprache der Seele, die Symbolsprache der Sterbenden und die Urbilder des Lebens und Sterbens. Die Autorin berichtet von der “Heiligen Notburga” als Schnitterin Tod, der “Weißen Frau vom Sonnwendjoch”, von Märchen mit Impulsen zum Nachdenken über Tod und Anderswelt, von der “Tödin und der Gänsehirtin” und bringt Anregungen zum kreativen Umgang mit dem Symbol der Spirale. Im Kapitel “Über die Brücke geleiten” weiß Erni Kutter vieles zu berichten: Was Sterbende brauchen, die Bedeutung der Spiritualität für viele Sterbende, über rituelle Formen des Abschiednehmens am Sterbebett, aber auch über die Verabschiedung in einer Stationären Einrichtung. Beeindruckend sind auch die Geschichten über Sterbeammen und Seelenwächterinnen, die Göttin Brigid und den christlichen Heiliginnen, die Beistand für viele in Todesängsten sind. Vieles ist mir persönlich als alte Anarchistin und Atheistin zu christlich geprägt, aber ich denke, für Frauen mit christlicher Erziehung und/oder christlichem Glauben sind diese Geschichten ein Labsal.
Die Anleitungen für die Übergangszeit zwischen Tod und Beerdigung sind Gold wert, stehen doch viele Frauen mit der Organisation eines Begräbnisses und allem was dazu gehört, alleine da. Viele wollen kein christliches, muslimisches oder anderes patriarchales Ritual. Erni Kutter beschreibt eine Totenwaschung, die Traditionen der Totenfrauen, die Totenwache und die Anregungen zur Gestaltung derselben. Sie berichtet von der neuen Bestattungskultur heute, von der Bestattung und Begleitung in Frauen Händen und von der Vielfalt verschiedener Bestattungskulturen. Konkrete Gestaltungsmöglichkeiten für den Umgang mit Tod und Trauer, von Sargmöbeln selber bauen, über Totenhemd und Totenkleidung bis zu Seelenschiff und Totenbarke, bis hin zu der Abschiedsfeier, dem Trauerritual und der Beisetzung beschreibt Erni Kutter ebenso wie rituelle Abschieds- und Gedenkbräuche, die sie für die heutige Zeit neu entdeckt.
Besonders beeindruckt haben mich die Darlegungen über die Grabkunst in Stein, über die Künstlerinnen, die eine neue Kultur des Erinnerung erschaffen, über die Textilinstallation “Stiller Abgang” und den mutigen, wichtigen Film “Bilder, die bleiben - Ein Dokumentarfilm über Abschied und Tod”. Alles in allem ein wichtiges Buch für alle Frauen, die auch beim Sterben nicht wegschauen wollen und auch hier selbstbestimmt und ohne patriachale Vorgaben handeln wollen. An Erni Kutter ein großes Dankeschön, dass sie die Erfahrungen vieler Frauen so vorzüglich zusammengetragen hat und dieses beachtenswerte Buch geschrieben hat.
Göttin sei Dank gibt es auch noch andere Bücher zu diesem so wichtigen Thema:
Sie ist gegangen
Geschichten vom Abschied für immer herausgegeben von Traude Bührmann
Orlanda Verlag, 1997, ISBN: 978-3929823462
15 Frauen berichten: vom Tod einer Freundin, die sich das Leben genommen hat, von einem kleinen Mädchen, die nicht glauben kann, dass die Oma nicht wiederkommt, von Sprachlosigkeit, Schuldgefühlen und Verzeihen bei den Zurückgebliebenen und vor allem wie eine damit lebt, wenn eine nahe stehende Person, eine Geliebte, Freundin, Mutter, Großmutter stirbt. Herausragend das Expose “Was heißt tot sein - wann ist eine tot” von Ute Schiran und Verenas Stefans Text zum Tod ihrer Mutter.
Begraben und vergessen?
Ein Begleitbuch zu Tod, Trauer und Bestattung von Marjan Sax, Knaar Visser, Marjo Boer
Orlanda Verlag, 1993, ISBN: 978-3929823004
Obwohl wir fast alle den Tod eines Menschen, der uns nahe steht, miterlebt haben, fällt es uns schwer, dieses Erlebnis in unser Leben zu integrieren. Gerade Lesben, Alleinerziehende, WG- BewohnerInnen oder andere, die in unkonventionellen Beziehungen leben, wollen eine Trauerkultur entwickeln, die ihrer Lebensweise entspricht. In diesem praktischen Begleitbuch zu Tod und Abschied finden sich neben persönlichen Berichten, Betrachtungen über den Umgang mit Trauer in unserer und anderen Kulturen, sowie Informationen und Anregungen zur individuellen Regelungen für den Todesfall.
Frauen sterben anders
Wie wir im Leben den Tod bewältigen von Sally Cline
Bastei Lübbe Verlag, 1997, ISBN: 978-3785708989
Die Autorin ist eine der ersten, die in einer eindringlichen Studie der geschlechtsspezifischen Einstellung zu Sterben und Tod nachgeht. Sie beschreibt, welchen seelischen Belastungen pflegende Frauen ausgesetzt sind. Durch Befragung von 150 Frauen verschiedener Herkunft gelingt es Sally Cline außerdem, authentische Erfahrungen zum Thema zu sammeln und auszuwerten. Sie kommt zu dem Schluss, dass Männer in der Regel den Tod als ein Geschehen von “außen” erfahren, wohingegen für Frauen das Leben und der Tod eng mit ihrer Psyche, ihren Erwartungen und ihrem Körper verbunden sind und so mehr “innen” liegen. Ich teile nicht immer die Meinung der Autorin, aber dieses Buch regt sehr zum Nachdenken an.
Ich hätte sie so gerne noch vieles gefragt
Töchter und der Tod der Mutter von Ingrid Strobl
Fischer Taschenbuchverlag, 2006, ISBN: 978-3596154319
Ein vorzügliches Buch um das Sterben der eigenen Mutter. Jede Frau sollte es, egal ob die Mutter noch lebt oder ob sie schon gegangen ist, lesen. Sehr empfehlenswert.
Es ist reich gewesen
Bericht vom Sterben meiner Mutter von Verena Stefan
Fischer Taschenbuchverlag, 1993, ISBN: 978-3596116782
Ein Buch über den Tod der Mutter. Ein literarisch sehr schönes Buch und eine Liebeserklärung der besonderen Art von Verena Stefan.
Kostbare Stunden
Ein Bericht über Sterben, Tod und Trauer von Marion Kunz
Zytglogge Verlag, 1997, ISBN: 978-3729605435
Ein sehr persönlicher Bericht vom Tod einer Weggefährtin. Dieses Buch hat mich auf Grund der großen Offenheit der Autorin sehr berührt und auch sehr getröstet.
Wenn ein Mensch gestorben ist - wie gehen wir mit dem Toten um?
Anregungen und Hilfen von Daniela Tausch-Flammer
Herder Verlag, 1997, ISBN: 978-3451236938
Dieses Buch berichtet von der Kulturlosigkeit und diversen anderen sehr traurigen Machenschaften um Tod und Trauer. Ein wichtiger Bericht, der es erleichtert sich in der Ausnahmesituation eines Todesfalls von Behörden, Bestattungsinstituten, Gericht und Verwandten nichts vorschreiben zu lassen.
Nicht zu vergessen: “Brücke in eine andere Welt” von der Begründerin der Hospizbewegung Cicely Saunders.
Und hier noch einige Netztipps:
www.die-barke.de - Feministisches Bestattungsinstitut
www.faehrfrauen.ch - Begleitung bei Abschied, Tod und Trauer
www.arunga-heiden.de - Mantras und Trauerlieder
www.annasiotto.com - Sargmöbeltischlerin
www.kunsthofklapfenberg.de - Hanna Rothenbüchler, Bildhauerin
www.bestattungswaesche-banach.de - Bestattungswäsche
www.evagesinewegner.de - Eva-Gesine Wegner, Bildhauerin
www.seelenschiffe.de - Seelenschiffe
Kommentare unserer Leserinnen...* Du kannst ...:  Es gibt noch keine Leserinnenmeinung zu diesem Artikel. * Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasserinnen verantwortlich.
|