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MAGAZIN

DEAD MEN WORKING

© Ruth Devime (25.09.05)


Politik & Gesellschaft

Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs

”Dead Women Working“ sollte es heißen, das Buch, weil Frauen mehr betroffen sind von den Verschlechterungen der Arbeits- beziehungsweise den Lebensbedingungen; und es ist eine Veränderung zum Schlechten, ...



... auch wenn noch soviel geredet wird von: Standortsicherung, Profilings, New Economy, Reform, Reformkurs, Reformstau, Flexibilität, Mobilität, Wachstumsdynamik, Qualitätsmanagement, Wettbewerbsvorteil, Siesta-Consulting, Bewerbungscoach, Aquisitionsoffensive und vielem mehr ...

In diesem Buch liest frau einige wichtige Beiträge für Frauen allgemein und für arbeitslose Frauen im Speziellen. Besonders lege ich diesen Sammelband MitarbeiterInnen der Arbeitsmarktverwaltung ans Herz. Leider haben die männlichen Autoren zuwenig Augenmerk auf die Geschlechterverhältnisse gelegt, aber Maria Wölflingseders Texte tun dies um so mehr. Maria Wölflingseder gibt in einem ausführlichen Bericht, die menschenfeindlichen Erlebnisse als arbeitslose Wissenschaftlerin in den AMS-Maßnahmen wieder und sie beschreibt, wie aus dem Esoterik-Ideologem "Positives Denken" ein “selbstverordnetes Gleitmittel« wurde. Herzerfrischend und/oder kopferfrischend, aber auch sehr ernüchternd, sind ihre Aufsätze mit dem Titel “Von der Zurichtung zur Hinrichtung«: Es gibt inzwischen wirklich ArbeiterInnen und Angestellte die während ihrer Arbeitszeit die Toilette nicht aufsuchen können. “Power-Napping« schreibt jetzt auch noch vor, wann und wie lange du tagsüber zu schlafen hast. Die grauslichen Befunde der “Schönheitschirurgie« und die schrecklichen Gewalttaten des Handels mit Mädchen und Frauen, werden von ihr in Zusammenhang mit patriarchaler Arbeitsmarktpolitik gestellt.

Ein ebenso wichtiges Kapitel (für Frauen, die im Gesundheitsbereich arbeiten sieht die Zukunft nicht rosig aus), ist der Beitrag zu Durchkapitalisierung des Lebens am Beispiel der Krankenhäuser.

Nach der ausgiebigen Lektüre des vorliegenden Bandes erklingen viele der Floskeln der heutigen Zeit ganz grauenhaft in meinen Ohren und “Qualitätssicherung« wird zu dem was es ist: Ein neues Kontrollorgan, das die Menschen gängelt und Arbeitsplätze und Menschlichkeit abbaut.

Sehr erleichternd nach der Lektüre der Erfahrungen, die die AutorInnen in den verschiedenen Abteilungen der großen Arbeits(losen)mühle gemacht haben, sowie der theoretischen Beiträge zum Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit, ist der Text: “Wind des Südens - Funken eines nicht-entfremdeten Bewusstseins inmitten des argentinischen Zusammenbruchs« und wieder einmal weiß ich wie wenig ich von den herrschenden Medien über den Zustand dieser Welt erfahre.

Texte zu Migration, Rassismus und prekären Arbeitsverhältnissen, zu der Illusion der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie, zu sinnlosem Lernen und sinnlosen Arbeiten, Attac und die Krise der Arbeitsgesellschaft, über eine Anti-Arbeitsaktion in Thüringen, etc. vervollständigen diesen bemerkenswerten Band.

Dieses Buch müsste ein Bestseller sein, damit in diesem Land wieder mehr gedacht und weniger programmiert, mehr diskutiert und weniger meditiert, weniger gearbeitet und mehr und lustvoller gelebt wird.

... und wenn eine noch weiterlesen, weiterdenken möchte: "Manifest gegen die Arbeit" (herausgegeben von der Gruppe Krisis) gibt es auch noch zu erwerben!


E. Lohoff, N. Trenkle, K-H. Lewed, M. Wölflingseder (HgInnen.)
Dead Men Working
Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs

Unrast Verlag, 2004
302 Seiten, broschiert
€D 18,00 / €A 18,50
ISBN: 3-89771-427-2



ZUR AUTORIN:

Maria Wölflingseder
Geboren 1958 in Salzburg, seit 1977 in Wien. Studium der Pädogogik und Psychologie. Arbeitsschwerpunkt: Kritische Analyse von Esoterik, Biologismus und Ökofeminismus; zahlreiche Publikationen. Redakteurin beim wertkritischen Magazin "Streifzüge". Bis 2000 Redaktionskoordination von "Weg und Ziel". Nicht nur in der Theorie zu Hause, sondern auch in der Literatur, insbesondere in der slawischen. Veröffentlichungen von Lyrik sowie Belletristik-Rezensionen.
Kontakt & Buchbestellung: m.woelf@utanet.at

LINKTIPPS: 
www.streifzuege.org
www.krisis.org



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