|
Login
Information
Kommunikation
|
LINZER STADTFüHRERIN© Marlen Schachinger (03.01.06)
Frauengeschichtliche Stadtrundgänge zum Auf-Suchen & Goutieren.
Linz ist mehr als Linzer Torte, VOEST, Kaffeehausmangel und Pflasterspektakel – Ein Geschenktipp für all jene, die der oberösterreichischen Landeshauptstadt und der Frauengeschichte Interesse entgegen bringen.
n Linz beginnt’s – so wurde geworben. Bloß was? Dass es in Linz bis ins Jahr 2000 gerade mal 30 nach Frauen benannte Straßen gab, stimmt mehr als nachdenklich, insbesondere da im Gegensatz dazu 516 verewigte Männer stehen. Das Gedenken und Würdigen hat in Linz also sicherlich nicht seinen Anfang genommen, zumindest nicht, was den öffentlichen Raum betrifft.
Mit ein Grund für einen anderen und daher überaus ehrgeizigen Beginn: Das 20jährige Bestehen des autonomen FRAUENzentrums (aFz) weckte auch den Wunsch, nicht nur an die Geschichte des Zentrums zu erinnern, sondern auch die Geschichte der Stadt zu entdecken, woraus - inspiriert von einem Frauenstadtführer für Köln - eine Linzer Stadtführerin entstand.
Mittels der Stadtwanderrouten Rundgang West, Rundgang Ost sowie vorgeschlagenen Exkursionen, die nochmals nach Straßenzügen untergliedert sind, wurden unterschiedlichste Frauen-Kurzporträts oder thematische Darstellungen gesammelt. Hier finden sich adelige Frauen, Bildende Künstlerinnen, Komponistinnen / Musikerinnen, Schriftstellerinnen, Journalistinnen, Schauspielerinnen, Stifterinnen, Wohltäterinnen, Politikerinnen, Frauenvereine und -organisationen, Kranken- und Sozialeinrichtungen; aber auch Einträge zu Alltag, Arbeiterinnen, Dienstmädchen, Ehefrau / Mutter / Schwester, Bildung, Nationalsozialismus und Religionen. Bezeichnend mag auch scheinen, dass es zum Bereich Rechtswesen nur einen verorteten Themenkreis - den Pranger - gibt.
Manche Einträge sind inhaltlich sprunghaft und dadurch verwirrend; ab und an fehlen Übergänge zwischen einzelnen Passagen, was irritieren mag. Die Wahl des Grundtons einer Führung erscheint im Hinblick auf das Gliederungsprinzip nach Straßenzügen schlüssig, mindert jedoch ein wenig das Vergnügen jener, die dieses Buch aus Interesse an Frauengeschichte per se und allein-ich-seiend lesend genießen wollen:
“Wir folgen der Museumsstraße gegen die Einbahn und biegen nach wenigen Metern rechts in die Fadingerstraße ein.« (S. 111)
Das hat zumindest Charme, auch wenn ich mich diesem Wir-folgen, wir-biegen nicht physisch anschließen kann. Oder:
“Am Ende der Straße hält der Hl. Nepomuk Wache, ohne jedoch Ortsunkundigen die Fortsetzung des Rundganges anzudeuten. Davon nicht entmutigt, wenden wir uns nach links und gelangen so in die Flussgasse.« (S. 130)
Im Anhang der Linzer Stadtführerin befindet sich zudem ein Themenregister, eine Liste einiger Autorinnen, die Linz literarisch dargestellt haben, eine Adress-Sammlung zu “Linzer Einrichtungen von und für Frauen« sowie eine Liste der Quellenliteratur. Ein schematischer Stadtplan, der wohl ausreichend Übersicht bietet, wurde im inneren Umschlag abgedruckt.
Die Linzer Stadtführerin ist - auch aufgrund der schönen Ausgestaltung in weinrot-schwarz-weiß - ein einprägsames Buch und verdient daher über den Linzer Raum hinaus Aufmerksamkeit. Allen Nicht-Linzerinnen sei der Stadt-Besuch geraten; sich auf der Promenade niederzulassen, die Stadtführerin auf den Knien, lesen und hochblicken, und vielleicht an die eben beschmunzelte Passage des Ernst August Klingemann aus dem Jahr 1828 denken:
“Bei einem Spaziergang durch die Stadt besuchten wir die Promenade, um hier nebenbei die Linzer Schönen ins Auge zu fassen. Bekanntlich aber sind die Linzer Mädchen, die Linzer Hauben und die Linzer Torten sehr berühmte Artikel in Österreich, welche selbst in der Kaiserstadt goutiert und gesucht werden.« (S. 121)
Die Linzer Stadtführerin ist handlich und daher bei Streifzügen durch die Stadt zur Mitnahme geeignet, obgleich die mangelnde graphische Aufbereitung zumindest am Beginn - bis frau sich hinreichend im System dieser Schrift orientiert hat - mehr Lesezeit voraussetzt, was an einem schönen Frühlingstag wohl leicht zu bewerkstelligen ist. Die Illustrationen des Buches sind gut ausgewählt und bieten Leseanreize.
Autonomes FRAUENzentrum Linz: Lisa & Co (Hgin.) Linzer Stadtführerin Frauengeschichtliche Stadtrundgänge
Buchverlag Franz Steinmaßl: Edition Geschichte der Heimat, 2004 171 Seiten, broschiert € 17,50 ISBN 3-902427-08-6
Buch bestellen
HINWEIS:
Autonomes FRAUENzentrum Linz Humboldtsraße 43 · 4020 Linz Tel: +43 (0)732 602200 · Fax: +43 (0)732 602200 60 Telefonisch erreichbar: Mo - Fr 09 - 12 Uhr · Mo, Di & Do 13 - 17 Uhr hallo@frauenzentrum.at · www.frauenzentrum.at
Kommentare unserer Leserinnen...* Du kannst ...:  Es gibt noch keine Leserinnenmeinung zu diesem Artikel. * Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasserinnen verantwortlich.
|