|
Login
Information
Kommunikation
|
FRAUEN WEHREN SICH© www.frauenwehrensich.at (01.08.06)
Tausende Frauen gegen die beabsichtigte Schließung des Autonomen Tiroler Frauenhauses
Das Autonome Tiroler Frauenhaus ist in seiner Existenz bedroht. Nur noch bis Oktober 2006 können Gehälter, Miete und Sachkosten bezahlt werden. Jetzt hat sich ein unabhängiges Personenkomitee zum Erhalt dieser Fraueneinrichtung gegründet.
Aufruf des Personenkomitees vom 19.07.2006
Nach derzeitigem Stand der Dinge und nach allen bisher abgeschlossenen Verhandlungen kann das Tiroler Frauenhaus für misshandelte Frauen und Kinder nur mehr bis Oktober 2006 Miete, Gehälter und Sachkosten bezahlen. Von PolitikerInnenseite wird damit signalisiert, dass es in Tirol ab Oktober diesen Jahres kein autonomes Frauenhaus mehr geben soll.
Das Tiroler Frauenhaus ist eine vorbildlich funktionierende Fraueneinrichtung mit hohen Qualitätsstandards. Das Haus hat weder ein Organisations- noch ein Strukturproblem zu lösen, sondern ausschließlich eine Finanznotlage zu bewältigen, verursacht durch die öffentliche Hand und die politisch Verantwortlichen. Die Lösung ist einfach und liegt auf der Hand: eine ausreichende Finanzierung des Frauenhauses zur Aufrechterhaltung der seit 25 Jahren bewährten Struktur. Stattdessen wird nun von politischer Seite eine Diskussion eröffnet und vorbereitet, die darauf abzielt, die bestehende unabhängige Struktur abzuschaffen und somit den einzigen echten Schutzraum für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in Tirol zu vernichten und durch eine noch ungewisse Organisationsstruktur des Landes, der Stadt oder eines anderen, noch zu erfindenden dritten Trägers zu ersetzen.
Das Tiroler Frauenhaus ist vor 25 Jahren aus dem Engagement frauenbewegter Frauen entstanden, hat sich im Laufe der Zeit kontinuierlich weiterentwickelt und verfügt mittlerweile über ein unersetzbares Wissen und über anerkannte fachliche Kompetenz. Beides hat sich in jahrelanger Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder herausgebildet. Eine solche Struktur abzuschaffen ist unverantwortlich: in erster Linie im Hinblick auf die betroffenen Frauen und Kinder, aber auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die politische Kultur dieses Landes und das unnachgiebige, frauenpolitische Engagement, welches Gewaltschutz und Gewaltprävention unverzichtbar erfordern.
Qualitätvolle Arbeit für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder beruht auf Engagement, Erfahrung, Wissen und Kompetenz und darf nicht von Parteipolitik, politischen Mehrheitsverhältnissen oder Verwaltungserfordernissen abhängig sein.
Um Frauen und Kindern den Schutzraum bieten zu können, den sie brauchen, ist eine autonome Struktur unabdingbare Voraussetzung: Sie war es vor 25 Jahren, und sie ist es heute noch! In Europa, in Österreich und in Tirol war es das Verdienst der Autonomen Frauenbewegungen, die Problematik der Gewalt gegen Frauen ins öffentliche Bewusstsein gerückt zu haben. Überall dort, wo Frauenhäuser entstanden sind, wurden sie von Frauengruppen in langwierigen Auseinandersetzungen mit PolitikerInnen, Verwaltungen und Teilen der Öffentlichkeit, welche die Fakten beharrlich leugneten, initiiert, getragen und weiterentwickelt. Überall, wo sie heute noch existieren, sind sie weitgehend autonom strukturiert, an verbindliche Frauenhaus-Standards gebunden (für Österreich in den AÖF-Richtlinien festgelegt) und von öffentlicher Seite finanziert.
In Anbetracht der seit vier Jahren laufend gekürzten Finanzierung des Hauses und der seit Juli feststehenden Absage an eine Restfinanzierung für das laufende Jahr besteht begründeter Anlass anzunehmen, dass es den politisch Verantwortlichen um allerlei anderes, nicht aber um die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder gehen kann. Anstatt darüber nachzudenken, wie die bestehende Struktur, fachliche Kompetenz und Arbeit des Frauenhauses langfristig und nachhaltig abgesichert werden kann, wird unerwartet und grundlos ein neuer Tatbestand geschaffen: die öffentliche Trägerschaft. Wozu? Die Unterzeichnerinnen schließen sich mit Nachdruck den Forderungen des Tiroler Frauenhauses an:
- ausreichende Finanzierung des Tiroler Frauenhauses für das laufende Jahr 2006
- Erhalt der Autonomie und politischen Unabhängigkeit
- Bestandsgarantie in Form einer ausreichenden Sockelfinanzierung entsprechend den Qualitätsstandards der Österreichischen Frauen-häuser, abgesichert durch Mehrjahresverträg
Die Auseinandersetzung geht weiter ...
Am 17. Juli 2006 hat sich das "Unabhängige Personenkomitee zum Erhalt des Autonomen Tiroler Frauenhauses" gegründet. Das Komitee besteht aus zivilen Personen und ist in jeder Hinsicht konfessions- und parteiunabhängig. Das Personenkomitee hat sich zum Ziel gesetzt, alles, was in seiner Macht steht, zu tun, um eine größtmögliche Öffentlichkeit herzustellen anlässlich der willfährigen Bedrohung eines seit 25 Jahren bestehenden, in seiner Arbeit weithin anerkannten und unabhängigen Frauenprojekts: das "Tiroler Frauenhaus".
Vor wenigen Tagen hat das “Unabhängige Personenkomitee« einen Aufruf verfasst. Und innerhalb von nur 56 Stunden haben uns über 1500 Unterstützungserklärungen erreicht. Schon jetzt können wir den Zustrom an Unterstützungserklärungen, Stellungnahmen und Kommentaren kaum noch verwalten. Aus diesem Grund und weil unser Kampf weitergeht, haben wir eine eigene Internetplattform www.frauenwehrensich.at eröffnet. Dort können weitere Unterstützungserklärungen abgegeben, die Liste aller bisherigen und neuen UnterzeichnerInnen eingesehen und aktuelle Informationen abgerufen werden. Die Unterzeichnerinnen des Aufrufs kommen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, es erreichen uns Zuschriften auch aus Deutschland, der Schweiz und Italien. Und obwohl sich der Aufruf an Frauen gerichtet hat, haben wir auch über 200 Unterstützungserklärungen von Männern erhalten.
Wie wir den Medien entnehmen, tritt Bewegung bei den politisch Verantwortlichen ein. Trotzdem gibt es aber noch keine Zusage für die Restfinanzierung 2006, die drohende Schließung des Autonomen Tiroler Frauenhauses ist damit noch nicht ausgeräumt, ja es scheint unter den Verantwortlichen noch nicht einmal die endgültige politische Zuständigkeit für das Projekt geklärt zu sein.
Deshalb wird das Unabhängige Komitee seine Arbeit fortsetzen:
- bis eine Finanzierungszusage für 2006 erreicht ist und
- bis eine abgesicherte, tragfähige, nicht kleingeistige Lösung gefunden ist, die das bestehende Projekt in seiner bewährten und unabhängigen Form erhält und echte Verbesserungen für seine notwendige Vergrößerung bringt.
Aktuelle Informationen und Aufruf unterzeichnen auf: www.frauenwehrensich.at
Bild: hellwach - bei Gewalt an Frauen, Sujet: Angela Zwettler
Kommentare unserer Leserinnen...* Du kannst ...:  Es gibt noch keine Leserinnenmeinung zu diesem Artikel. * Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasserinnen verantwortlich.
|