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MAGAZIN

HEXENJAGD

© Margot Handler (04.10.06)


Natur & Ökologie

Ein Plädoyer für die Rückkehr des Weiblichen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

Unter dem Vorwand des KonsumentInnenschutzes werden derzeit jahrtausendealte Heilpflanzen diskriminiert und in vielen Fällen verboten. Unzählige HeilpraktikerInnen und NaturkosmetikherstellerInnen werden dadurch in ihrer Existenz bedroht.



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Etwas fehlt ...

Etwas fehlt, hier auf diesem Planeten, in dieser hypermodernen, scheinbar so reichen, westlichen Welt. Etwas, das allzu oft auf leisen Sohlen daherkommt und in der breiten - politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen - Öffentlichkeit noch immer ein Schattendasein führt. Es ist die Energie des Weiblichen in allen Bereichen, die Energie der Menschlichkeit, die Energie der Achtung für die Erde und ihre Schätze, die Energie der Liebe zur Natur, die Energie der Bewusstheit für all das, was nicht in erster Linie dazu geeignet ist, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln ... Ständig muss ja gekämpft werden - um Umsätze, Dividenden, Marktanteile. Die Natur, die Individualität, die kleinräumige Vielfalt, die persönlichen Beziehungen bleiben auf der Strecke, "wegentschieden" von EU-Strukturen und den dahinterstehenden Lobbys der Großkonzerne.

So werden derzeit, unter dem Vorwand der Gefährdung der KonsumentInnen jahrtausendealte Heilpflanzen und deren ätherische Öle diskriminiert, ihr Verbot angedacht und in vielen Fällen auch durchgeführt. HeilpraktikerInnen verlieren bewährte Heilmittel gegen Krebs und andere "Geiseln der Menschheit". Tausende Kosmetik-KleinsterzeugerInnen, die aus einem Verantwortungsgefühl für die Erde ausschließlich altbewährte Naturstoffe für ihre Produkte verwenden, werden in ihrer Existenz bedroht.

Das Wissen um die Heilkräfte der Natur war Jahrmillionen in Frauenhand.

Und so wie über Jahrhunderte "Hexen" wegen dieses Wissens verfolgt und getötet wurden, werden nun moderne Heilkundige - die das alte weibliche Wissen erforschen, umsetzen und weitergeben - durch Diskriminierung "in ihre Schranken gewiesen". Die Methoden sind andere, doch die Sache ist dieselbe. Weibliches Wissen ist Erfahrungswissen, über Jahrtausende entstanden durch genaue Beobachtung von und im Einklang mit natürlichen Abläufen, angewandt unter Einsatz der Intuition und abgestimmt auf die Bedürfnisse des Individuums. Männliches Wissen braucht "Beweise", "wissenschaftliche" Versuchsanordnungen, "Doppelblindstudien", Umlegbarkeit des Erkannten auf alle. Es greift ein in die Natur, glaubt in seinem Hochmut, sie verbessern oder nachbauen, kontrollieren, klonen und ohne Ende ausbeuten zu können. Niemand macht großes Aufhebens um die Wirkungen tausender Chemikalien oder anderer "Segnungen" des modernen Lebens auf unsere Gesundheit. Es ist "normal", dass Millionen Menschen unter Allergien leiden. Wenden sie sich jedoch in ihrer Verzweiflung mehr und mehr altbewährten Naturstoffen zu, geraten diese plötzlich wegen ihres "allergieauslösenden Potentials" unter Verruf.

Es ist Zeit ...

Es ist Zeit,
aufzustehen gegen diese Machenschaften - die nur die satten Gewinne der Großindustrie sichern, und nicht die Gesundheit der KonsumentInnen.

Es ist Zeit, Mutter Erde und allem Weiblichen in unserer Welt eine unüberhörbare Stimme zu geben.

Es ist Zeit, die Schätze der Natur und unser Recht auf freie Wahl der Stoffe, die wir unserem Körper innerlich und äußerlich zuführen, zu verteidigen.

Es ist Zeit, davon abzugehen, alles zentral ("europaweit") bestimmen und regeln zu wollen, und kleinräumige Strukturen, individuelle Warenangebote zu fördern.

Es ist Zeit, Mutter Erde und ihren Schätzen eine Lobby zu geben als Gegengewicht zu den großräumigen, von einem männlichen Geist dominierten, naturvernichtenden Strukturen.

Es ist Zeit, alle Kräfte für ein Miteinander zu bündeln, wie es Frauen immer getan haben, für eine bessere Welt einzutreten, in der die einheitliche Länge von Gurken und die geregelte Größe von Pizzas bedeutungslos wird angesichts der wirklichen, lebensbedrohlichen Probleme wie Umweltverschmutzung, soziales Elend, Hunger und Krieg.

Frauen verstehen, was es heißt, Leben zu geben, zu achten und zu bewahren. Und sie - gemeinsam mit "weiblich denkenden" Männern - sind es auch immer wieder, die ihre Stimme erheben gegen eine lebensfeindliche Politik. Die Initiative Ringelblume hat es sich zum Ziel gesetzt, - umfassend und europaweit - darüber zu informieren, wie auf EU-Ebene versucht wird, den boomenden Natur-Markt klein zu halten. Die Natur und der "weibliche" Umgang mit der Erde brauchen endlich eine Lobby!


ZUR AUTORIN:

Margot Handler
... Entwicklung und Herstellung von Amyris - Lust auf Duft, natürliche Wohlfühlprodukte mit ätherischen Ölen, Vorträge und Workshops zu den Themen Aromatherapie und Naturkosmetik, Energetikerin, Mitbegründerin der Initiative Ringelbume.

www.amyris.at
www.initiative-ringelblume.org



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