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MAGAZIN

»LILA WEIß BESCHEID« UND »DIE STILLE NACH DEM MORD«

© www.lesbians-unlimited.org (20.03.07)


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Die neuen Lesbenromane aus dem Konkursbuch Verlag

Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsbeginn hat der Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke einige neue Bücher veröffentlicht, unter anderem zwei sehr gute Lesbenromane. Kirstin Rupieper von www.lesbians-unlimited.org hat sie gelesen.



oben: Steffi Haake und Elisabeth Pricken, unten: Annette Berr

Steffi Haake und Elisabeth Pricken: Lila weiß Bescheid

iner dieser zwei Lesbenromane ist die witzige Beschreibung von Beziehungsirrungen und -wirrungen. Steffi Haake und Elisabeth Pricken haben sich in “Lila weiß Bescheid” zusammen mit der nicht ganz stubenreinen Hasendame Lila an das schwierige Experiment gewagt, zusammen ein Buch zu schreiben.

Dieses Experiment, an dem schon einige namhafte Schriftstellerinnen gescheitert sind, ist in diesem Fall jedoch nicht zuletzt aufgrund des Aufbaus des Buches sehr geglückt. Die beiden Protagonistinnen - und somit auch die beiden Autorinnen - erzählen jeweils wechselseitig aus der Ich-Perspektive über den Beginn ihrer Beziehung. Dabei wird die Unterschiedlichkeit der beiden Charaktere bereits im Schreibstil deutlich, was teilweise zu sehr verschiedenen Sichtweisen ein und derselben Situation führt. Neben dem lustigen Wechselspiel der Beschreibung gleicher Situationen durch die zwei Blickwinkel hat das Buch aber noch mehr zu bieten. So wartet es mit interessanten Theorien und Gedanken zum lesbischen Alltag auf und besticht mit einer augenzwinkernden CSD-Analyse. Natürlich kommen auch Andeutungen über die reale Berliner Szene, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln brachten, nicht zu kurz. Und für die, die Sex in Büchern suchen: Ja, auch Sex kommt drin vor... ;o)

Insgesamt handelt es sich um ein kurzweiliges Buch, das sich gut in den ersten Sonnenstrahlen lesen und genießen lässt und das auf der deutschen Schulnotenskala eine glatte Zwei verdient hat.

Annette Berr: Die Stille nach dem Mord

ie zweite Neuerscheinung aus dem Konkursbuch-Verlag, die wir euch hier vorstellen möchten, ist ein ganz außergewöhnlicher Lesbenkrimi von Annette Berr. Schon allein die Widmung (oder eigentlich Nicht-Widmung?) ist ein Hochgenuss, der auf die folgenden 446 Seiten angemessen vorbereitet, und auch der Prolog zeugt von einem sehr bemerkenswerten Schreibstil der Autorin, der sich am passendsten mit “literarisch wertvoll” beschreiben lässt.

Wenn nun einige von euch bei dem “literarisch wertvoll” zusammenzucken: Nein, nicht abgehoben, nicht gespreizt, sondern einfach stilsicher und mit einem absoluten Gespür für die richtigen Worte. So lässt Annette Berr das abgelegene Dorf im Osten Deutschlands, in dem Jana und ihre Freundin Frike Urlaub machen, mit ihren Worten förmlich vor den Augen der Leserin entstehen. Die handelnden Figuren werden so beschrieben, dass frau sie nahezu vor sich sieht. Und dennoch: Eine Distanz zu allen Personen bleibt, denn jede von ihnen hat ihre eigenen tiefen Abgründe. Allein das ist schon eine Meisterleistung von Annette Berr, die ich außer bei Patricia Highsmith noch bei keiner Autorin in dieser ausgeprägten Form entdeckt habe.

Den Inhalt zu erzählen, ohne zu viel von der wirklich spannenden Handlung zu verraten, ist kaum möglich. Daher gibts hier auch nur einen kurzen Abriss: Frike verschwindet, als sie sich auf den Weg macht, für ihre kranke Geliebte Jana Hilfe zu holen. Jana, genesen und auf der Suche nach der Freundin, bleibt in dem Dorf und kommt nach und nach etwas Ungeheuerlichem auf die Spur.

Natürlich ist Frike tot, und Annette Berr hat es über mehr als die Hälfte des Buches geschafft, das Grauen durch Auslassung zu steigern. Keine Beschreibung von Folterszenen oder Frikes Leiden, dafür umso mehr Entsetzen beim Vorstellen ebendieses Leidens. Darüber hinaus ist Annette Berr ein weiteres Kunststück gelungen, das ziemlich faszinierend ist und von ihrem gelungenen Umgang mit Worten zeugt: Das Buch an sich wirkt unaufgeregt, es scheint, als plätschere alles vor sich hin. Das Gegenteil jedoch ist der Fall. Die an sich jagende Handlung wird einfach nur geschickt verpackt und so der Atmosphäre des Dorfes und der dort lebenden Menschen angepasst. Dennoch ist das Buch zu keinem Zeitpunkt langweilig oder langatmig, sondern einfach nur von der ersten bis zur letzten Seite hochspannend. Und ja, auch in diesem Buch kommt Sex vor. Manchmal sogar mehr, als der Leserin lieb sein wird... Unsere Bewertung nach deutschen Schulnoten lautet denn auch folgerichtig “eine glatte Eins”, denn “Die Stille nach dem Mord” ist einer der besten Lesbenkrimis (und überhaupt Krimis), den ich seit langer Zeit gelesen habe.

Diese Doppelrezension ist erschienen auf www.lesbians-unlimited.org

Steffi Haake - Elisabeth Pricken
Steffi Haake und Elisabeth Pricken
Lila weiß Bescheid


Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, 2007
320 Seiten, broschiert
€D 10,40 / €A 10,70 / sFr 18,90
ISBN: 978-3-88769-720-4

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 Annette Berr: Die Stille nach dem Mord
Annette Berr
Die Stille nach dem Mord


Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, 2007
448 Seiten, broschiert
€D 12,90 / €A 13,30 / sFr 23,50
ISBN: 978-3-88769-362-6

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