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MOBBING - FRAUEN STEIGEN AUS© Birgit Bigga (05.07.07)
Durchhalten - Umgestalten - Stellenwechsel - Neuorientierung
Gabriele Haben und Anette Harms-Böttcher haben in diesem Buch ihre langjährigen Erfahrungen aus ihrer Mobbingberatungspraxis zu Papier gebracht. Den Schlüssel zum Ausstieg sehen sie im Selbstbestimmten Handeln.
Die Kommunikationstrainerin Gabriele Haben und die Diplompsychologin Anette Harms-Böttcher haben in diesem Buch ihre langjährigen Erfahrungen aus ihrer Mobbingberatungspraxis zu Papier gebracht. Sie gehen den Verhaltensmustern und Rahmenbedingungen auf den Grund und entwickeln individuelle Konzepte zum Ausstieg aus dem "Hamsterrad Mobbing". Den Schlüssel sehen sie im Selbstbestimmten Handeln, weg vom Opferdenken hin zur Selbstagierenden Persönlichkeit. Theoretische Hintergrundinformationen und vielfältige praktische Analysen, Tipps und Übungen runden diese Ratgeberin ab.
obbing ist in den letzten Jahren zum absoluten Trend- und Modebegriff avanciert. Die Gründe dahinter sind einerseits die immer angespanntere Lage am Arbeitsmarkt verbunden mit dem hohen Stressfaktor, dem die ArbeitnehmerInnen vermehrt ausgesetzt sind, andererseits ist es eine Benennung eines Phänomens, das wahrscheinlich spätestens seit der Industrialisierung besteht, aber nun einen treffenden Namen bekommen hat.
Einem Phänomen einen Namen zu geben, führt zwangsweise dazu, dieses Phänomen zu definieren, genauer anzusehen, zu analysieren und nicht mehr als "Nicht-Können" beziehungsweise Versagen von Einzelpersonen abzutun. Genau das ist in den letzten Jahren mit "Mobbing" geschehen. Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen "to mob" und bedeutet jemanden anpöbeln, angreifen oder attackieren. Ins Deutsche eingeführt wurde der Begriff vom österreichischen Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der das Angriffsverhalten in einer Tiergruppe zum Schutz gegen Eindringlinge so bezeichnete. Die Bedeutung, die das Wort und das Phänomen heute hat, erfuhr Mobbing vom deutschen Arbeitspsychologen Heinz Leymann basierend auf seinen Forschungen. Das vorliegende Buch bezieht sich auch auf seine Definition:
"Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder mehreren Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet." (S. 12)
Literatur über Mobbing gibt es sehr viel - hohe Nachfrage bedingt das Angebot - doch sehr oft wird frau enttäuscht sein, weil dieses Phänomen sehr komplex ist und nach den Gesetzten der Gruppendynamik gestrickt ist, die schwer zu durchschauen und noch schwerer zu lösen sind (als Betroffene oder auch als Beteiligte), mit oberflächlichen Sonntagspsycholgieratgebern ist es da nicht getan. Den Königsweg zur Vermeidung oder zum Aufheben von Mobbing gibt es leider nicht und auch dieses Buch kann ihn daher nicht präsentieren. Den Ansatz aber, den die Autorinnen hier anbieten, ist vielschichtig und sehr praxisorientiert, damit ist dieses Buch wirklich als eine Art Selbsthilfebuch geeignet, obwohl - und das streichen auch die Autorinnen heraus - Betroffene sich gerade bei erlebtem oder auch nur vermutetem Mobbing auf jeden Fall externe Hilfe suchen sollten. Doch das Buch kann dazu beitragen, sich der Situation, in der eine verfangen und verstrickt ist, überhaupt einmal bewusst zu werden, sie analysieren zu können und erste Wege zu sehen und zu finden, wie eine Betroffene aus der Opferrolle aussteigen kann und wieder zur selbstbestimmend agierenden Person wird.
Das erste Kapitel widmet sich dem theoretischen Hintergrund von Mobbing - Definition, Charakteristika, Formen und Besonderheiten von Mobbing; sie erläutern, wer mögliche Opfer sein können und warum und zeigen den typischen phasenhaften Verlauf von Mobbingprozessen auf. Dieses Kapitel ist wichtig, um überhaupt einmal das "Rüstzeug" zu bekommen, Mobbing als das zu verstehen, was es ist und mit klaren Definitionen zu arbeiten. Hier enden viele der anderen MobbingratgeberInnen, vielleicht noch aufgefettet mit einigen Fallbeispielen und einigen Adressen. Doch in diesem Buch zeigen die Autorinnen in den nächsten drei Kapiteln "Ausstieg aus dem Hamsterrad" konkrete Möglichkeiten, ein Mobbinggeflecht zu durchschauen und auch konkrete Möglichkeiten einer adäquaten Reaktion um wieder Herrin über die Lage werden zu können. Dies ist an Hand von fiktiven Fallbeispielen skizziert - die Geschichten von Angela Aufstieg, Bettina Bleibtreu, Waltraud Wende, Tanja Trenner und Nancy Neuland. Das Arbeiten mit Fallbeispielen ist eigentlich ein typischer amerikanischer Stil und manchmal mehr oder weniger hilfreich. Den Autorinnen ist es hier jedoch gelungen, an Hand dieser "Fallbeispiele" (deren Kern schon im fiktiven Namen der "Betroffenen" sichtbar wird) sehr konkrete Typisierungen vorzunehmen und an Hand derer auch die verschiedenen Aktions- und Reaktionsmuster aufzuzeigen und auch ganz konkret zu analysieren, die Möglichkeiten, die sich daraus eröffnen, die Schwierigkeiten, die wahrscheinlich auftreten werden, die Konsequenzen, die eintreten werden. Diese Art der Aufbereitung ist nicht nur "lesekonsumentinnenfreundlicher" als reine Abarbeitung von "facts and figures", gerade bei einem komplexen Phänomen wie Mobbing ist dies vielleicht der einzige Weg, die Verstrickungen, in der sich eine Betroffene befindet, sichtbar machen und dadurch durchschauen zu können und so bereits erste Lösungsansätze für sich selbst zu finden. Dies wird noch vertieft indem immer wieder Denkanstöße (frau könnte auch "Übungen" sagen, aber das klingt in diesem Zusammenhang vielleicht etwas nach Kochrezept, was es nicht ist) eingebaut sind, an Hand derer die Leserin zum Innehalten eingeladen wird und zum Nachdenken über sich in Bezug auf eine bestimmte Situation.
"Man weiß nie, was draus wird, wenn die Dinge verändert werden. Aber weiß man denn, was draus wird, wenn sie nicht verändert werden?" zitiert nach Elias Canetti (S. 150)
Als wichtiges flankierendes Kapitel fungiert das fünfte Kapitel, das sich eindringlich mit den physiologischen und psychologischen Problemen von Stress, resultierend aus Mobbingsituationen, beschäftigt. Stress ist zwar ein noch "schlimmerer" Modebegriff geworden als Mobbing, dennoch als krankmachender und leistungsminimierender Faktor immer noch weit unterschätzt. Die Autorinnen reden hier Klartext und zeigen die möglichen Folgen auf, die jede Frau sich selbst auflädt, wenn sie angesichts solcher Dauerbelastung untätig bleibt. Auch hier werden Ausstiegsmöglichkeiten aufgezeigt, sprich: Entspannungstechniken, die frau relativ einfach selbst lernen und alleine praktizieren kann, wie zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, die Praxis der Achtsamkeit nach Thich Nhat Hanh, oder die Übung "the moment of excellence" und Übungen zur Atemmeditation.
Abrundend zeigt das sechste Kapitel einmal die Sichtweise und Schwierigkeiten jener, die nicht aktive TäterInnen oder passive Opfer sind, sondern die vielleicht am Rande beteiligt sind und/oder helfend eingreifen sollten/müssten: "Mobbing aus der Perspektive von..." zum Beispiel Vorgesetzen, Betriebsrätinnen, Kolleginnen. Dieser Aspekt ist für das Gesamtverständnis des komplexen Geflechtes, das Mobbing darstellt, nicht unwichtig und ist vielleicht auch dann einmal besonders hilfreich, wenn eine Zeugin oder Zuschauerin bei einem Mobbinggeschehen ist. Hier wird erklärt wie interveniert werden kann und sogar werden muss und warum es so wichtig ist, nicht die Augen zu verschließen. Auch dabei helfen Denkanstöße und Analyse eines fiktiven Fallbeispieles. Als Abschluss finden sich im letzten Kapitel noch weiterführende Literatur und vor allem Telefonnummern und Links, wo sich Betroffene weiter informieren können und - noch wichtiger - von wo Hilfe zu erwarten ist. Denn, das stellen die Autorinnen immer wieder klar, Hilfe zu suchen und auch anzunehmen ist ein ganz wichtiger Schritt um dem Hamsterrad Mobbing frühzeitig, auf Dauer und ohne allzu große Schrammen zu entkommen.
"Je fortgeschrittener ein Mobbingprozess ist, desto höher ist die Energie, die erbracht werden muss, um zu einer Lösung zu kommen; gleichzeitig haben die Betroffenen auch immer weniger Kraft, weil ihnen bereits zu viel davon "abgezogen" wurde. [...] Das Ziel heißt auf jeden Fall: “Ich gewinne meine Würde zurück.”" (S. 51).
DIE AUTORINNEN:
Gabriele Haben Kommunikationstrainerin, NLP - Practitioner, Mobbingberaterin, Dozentin
Anette Harms-Böttcher Diplompsychologin, Mobbingberaterin, Kursleiterin für Stressbewältigung und Progressive Muskelentspannung, Dozentin
Harms & Haben Einzelcoaching und Seminare, Berlin www.harms-haben.de
 Gabriele Haben - Anette Harms-Böttcher Mobbing - Frauen steigen aus
Orlanda Verlag, 2007 207 Seiten, broschiert €D 14,90 / €A 15,40 / sFr 26,80 ISBN: 978-3-93693-751-0
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