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SONJA STEINERT: MASCHAS GESCHICHTEN© Mariella Müller (14.09.07)
Roman aus der Reihe Lesbenliteratur des Milena Verlags
“Ein kluger Roman über das Zweifeln an Vertrautem, das Wagen des Neuen, über die Suche nach Sprachen für die Erinnerungen und über Fragen nach Möglichkeiten des Glücklichseins ...”
ie Autorin beginnt ihren Roman mit einem Epilog, einem direkten Einstieg ins Geschehen bei dem sich Mascha auf einem Berliner Friedhof wieder findet. Dort wird Mascha von der Mystik einer Engelsskulptur eingefangen, die auf einem Grab platziert ist, dessen unbekannte Tote am selben Tag wie Mascha geboren wurde. Dieser Engel scheint eine Art Fixpunkt, eine stabile Note in Maschas Leben zu werden und begleitet sie die ganze Geschichte hindurch.
Mascha ist Soziologin, lesbisch, lebt in Berlin und versucht mit ihrer Leidenschaft, dem wissenschaftlichen biografischen Arbeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im konkreten Fall mit einem durch ein Stipendium finanziertes Projekt zu lebensgeschichtlichen Interviews von Frauen zwischen vierzig und fünfzig Jahren. Weil sie damit und mit Lehraufträgen nicht genügend Geld erwirtschaften kann, verdient Mascha sich noch als Garderobiere in der Staatsbibliothek und der Philharmonie etwas dazu. Trotzdem fühlt sie sich frei von Zwängen und Vorgaben, die sie zweifelsohne mit einer fixen Anstellung an der Universität hätte.
Gleich zu Beginn lernt Mascha in der Buchhandlung ihrer besten Freundin Antonia eine dort anwesende Kundin namens Jeanne kennen - dieser neuen Bekanntschaft gesteht sie vorerst allerdings keine größere Bedeutung zu.
Zentral sind momentan Maschas Interviewpartnerinnen, verteilt in ganz Deutschland, die nun der Reihe nach von ihr besucht werden. Die Wiedergabe der Interviews gehört zu den trockenen Passagen des Buches. Mascha wird zu Rückblicken in ihre Kindheit, Jugend und beginnendes Erwachsenenleben angeregt und in weiterer Folge dazu, über ihr eigenes Leben nachzudenken. Frauen, die sie geliebt hat, die Mascha durch ihre unterschiedlichen Charaktere geprägt und Spuren hinterlassen haben. Frauen, die ihr nach wie vor nahe stehen, herzensverbunden durch lange Jahre bestehende Freundinnenschaften. Mascha beginnt im Buch einem Phantom nachzujagen, lässt ihren Charme spielen, sich verrückte Dinge einfallen, um mit einer schönen Unbekannten in Kontakt zu kommen. Dabei übersieht sie, dass es in ihrem nahen Umfeld eine reale Person gibt, die zaghaft Einlass in ihr Leben begehrt.
Sonja Steinert verwendet eine philosophische Sprache, wirft Fragen auf, die eine selbst innehalten lassen um darüber zu sinnieren, welche Bedeutung sie fürs eigene Leben haben. "Und sie, Mascha, was tat sie? Was tat sie dadurch das sie nichts tat, willen- und ziellos blieb, keinem Sinn auf der Spur? Denn wie kann Zeit anders bewältigt werden, als durch Sinngebung? Es müsste wunderbar sein, das Depot zu finden, in dem die verwartete Zeit aufbewahrt wird!" (Seite 62)
Ein wunderbares Buch für verregnete Tage und nasskalte Abende mit einer heißen Tasse Tee.
DIE AUTORIN:
Sonja Steinert lebt als Literaturwissenschaftlerin und freie Autorin in Berlin. 2002 erschien ihr Roman "Cantando" bei Krug und Schadenberg.
 Sonja Steinert Maschas Geschichten
Milena Verlag, 2007 160 Seiten, broschiert € 15,90 / sFr 28,90 ISBN: 978-3-85286-150-0
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