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MAGAZIN

FRAUEN IN BRONZE UND STEIN - MüNCHEN

© Irmgard Neubauer (09.06.08)


Geschichte

Ein Buch von Claudia Mayr und Martha Schad

Claudia Mayr recherchiert & fotografiert Frauendarstellungen auf der ganzen Welt, in diesem Buch präsentiert sie viele ihrer Fotografien von Frauendarstellungen in München. Die Begleittexte dazu stammen von der Historikerin Martha Schad.



oben: Neue Büste von Sophie Scholl, unten: Liesl Karlstadt, Fotos: © Irmgard Neubauer

it großer Neugier habe ich mich auf dieses Buch gestürzt - zumal ich selbst erst vor kurzem ein paar Tage in München war und mich dort auf die Suche (und Findung) von Frauendarstellungen begeben habe - und das Buch hat mich nicht enttäuscht.

“Frauen in Bronze und Stein - München” ist eine große Freude für alle, die über Frauen und ihre Spuren im öffentlichen Raum forschen. Wo sind Frauen - sowohl reale, historische als auch mythologische - mit einem Straßennamen, einem Denkmal, einer Gedenktafel oder sonst wie geehrt und sind somit heute noch im Stadtbild sichtbar? Und welche Frauen sind - meist unverdienterweise - so sehr in Vergessenheit geraten, dass nichts mehr an ihr Wirken und ihre Leistungen erinnert? Claudia Mayr recherchiert & fotografiert Frauendarstellungen auf der ganzen Welt, in diesem Buch präsentiert sie viele ihrer Fotografien von Frauendarstellungen in München. Die Begleittexte dazu stammen von der Historikerin Martha Schad.

Und obwohl es in München reichlich spannende historische Frauen gibt, die darzustellen sich lohnen würde, existieren im öffentlichen Raum kaum Figuren von konkreten Frauen. So wie in Wien (und vielen anderen Städten) besteht dazu auch in München ein enormer Aufholbedarf - es gibt dort zwar zum Beispiel eine Anita-Augspurg-Allee, aber sonst erinnert (meines Wissens!) nichts an die radikale Kämpferin für Frauenrechte. Leider sind in München auch nirgends Spuren von Erika Mann, die gemeinsam mit ihrer Liebsten Therese Giehse (nach der zumindest eine Straße benannt ist) das antifaschistische Kabarett “Pfeffermühle” betrieb, zu finden. Immerhin wird die von den Nazis ermordete Widerstandskämpferin Sophie Scholl in der Universität mit zwei verschiedenen Büsten geehrt (dort befindet sich unter anderem auch eine eigens eingerichtete Gedenkstätte für die Weiße Rose) - für die Aufnahme in die Ruhmeshalle wurde sie bis dato seltsamerweise nicht für würdig genug befunden.

In die Ruhmeshalle haben es bis dato überhaupt nur zwei Frauen geschafft: die Schriftstellerin Lena Christ und die Schauspielerin Clara Ziegler. Ansonsten tummeln sich dort ausschließlich Büsten von Männern. Das bayrische Kabinett hat aber erfreulicherweise im Jahr 2007 den Beschluss gefasst, in nächster Zeit dort auch die Mathematikerin Emmy Noether und die Forschungsreisende Therese Prinzessin von Bayern aufzunehmen. Claudia Mayr erzählt im Nachwort auch die überaus amüsante Anekdote über die junge Künstlerin Aneta Steck, die eine Gipsbüste von sich selbst anfertigte und selbige heimlich in der Ruhmeshalle aufstellte - wo sie dann fast sieben Monate lang völlig unbemerkt stand!

Am Münchner Viktualienmarkt begegnen wir der großartigen Volksschauspielerin Liesl Karlstadt (die leider fast immer nur als “Partnerin von Karl Valentin” und kaum als eigenständige Künstlerin wahrgenommen wurde und wird) und der Volkssängerin Ida Schumacher. Mythologische Frauenfiguren wie Melusinen, Nornen, Medusen und Göttinnen wie Isis, Kybele & Fortuna sind schon weitaus einfacher zu finden. Auch Allegorien wie zum Beispiel die Phantasie, die Kunst, die Schönheit finden ihren Platz im Münchner Stadtbild. An realen Frauen begegnen wir unter anderem einer Trambahnschienenritzenreinigerin, einer Ur-Keltin, einer Amazone, einer Wasserträgerin, einer Kräutersammlerin und einer Holzfrau. Besonders freut mich in diesem Buch die extra Rubrik “Mädchen”, hier möchte ich besonders die Fotos im Buch von “Die große Sinnende” und “Die Freundinnen” hervorheben. Letztere zeigen zwei Mädchen in einem vertraulichen Gespräch miteinander.

Das Buch zeigt - wie der Titel schon sagt - Münchner “Frauen in Bronze und Stein”. Andere Sichtbarmachungen von Frauen, wie zum Beispiel Gedenktafeln, Straßennamen, Häuser und ähnliches kommen hier nicht vor. Wie Claudia Mayr richtig anmerkt, lässt die Ausgewogenheit bei der Benennung der Straßen (nicht nur in München!) mehr als zu wünschen übrig: Von den insgesamt ca. 6000 Straßennamen in München sind nur 237 nach historischen Frauen, aber 2672 nach historischen Männern benannt.

Hier als kleine Ergänzung ein paar andere Fotos von mir, die in diesem Buch nicht vorkommen:

Bild 1: Notburga, Bild 2: Di ana, Bild 3: Harfenspielerin. Fotos: © Irmgard Neubauer
Bild 1: Medusa, Bild 2: Rosalia, Fotos: © Irmgard Neubauer

Mir hat das Buch bestens gefallen und ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass München frauenforschungsmäßig wirklich einen Besuch wert ist! Interessierten Frauen lege ich ganz besonders die Staatliche Antikensammlung ans Herz - dort gibt es nämlich die meisten Amazonendarstellungen weltweit.

Bild 1: Mänade, Bild 2: Amazone. Fotos: © Irmgard Neubauer

Auch Göttinnen und Frauenkultur findet frau dort zuhauf, hier ein paar Beispiele:

Bild 1: Böotische Göttin, Bild 2: Schüsserl mit Spiralmuster, Bild 3: Göttinnen-Puppe. Fotos: © Irmgard Neubauer

Nicht zu vergessen die Ägyptische Sammlung und die Glyptothek, ein besonderes Highlight ist auch die Archäologische Staatssammlung.

Das Anliegen dieses Buches ist, anhand von Frauendarstellungen in Bronze und Stein, ein Stück Frauengeschichte in München sichtbar zu machen - und das ist vortrefflich gelungen. Und nachdem Claudia Mayr Frauendenkmäler nicht nur in München, sondern weltweit sammelt beziehungsweise fotografiert, dürfen wir also gespannt sein und hoffen, dass sie dazu noch viele weitere Bücher mit ihren vorzüglichen Fotos veröffentlicht.

Über Claudia Mayr (Fotografin):
Claudia Mayr fotografiert seit über zehn Jahren Frauen-Denkmäler weltweit und hat ihre Bilder bereits in 18 Ausstellungen in München und Hamburg präsentiert. Zur Homepage

Über Martha Schad (Texte):
Martha Schad ist Historikerin und Autorin zahlreicher Frauenbiografien, darunter “Bayerns Königinnen” und “Frauen gegen Hitler”.

Claudia Mayr  - Martha Schad: Frauen in Bronze und Stein - München
Claudia Mayr - Martha Schad
Frauen in Bronze und Stein - München

Stiebner Verlag, 2008
160 Seiten, gebunden
€D 14,90 / €A 15,30 / sFr 26,80
ISBN: 978-3-8307-1043-1

Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)


PS: Was ich in München nicht entdeckt habe und auch im Buch “Frauen in Bronze und Stein - München” nicht zu finden ist, sind Darstellungen von Frauenpaaren, wie zum Beispiel in Wien (Parlament, Josephsplatz, Schlosspark Schönbrunn) einige zu sehen sind. Gibt es in München tatsächlich keine? Für diesbezügliche Hinweise an meine email-Adresse irmgard.neubauer@gmx.net wäre ich überaus erfreut und dankbar!

Fotos: © Irmgard Neubauer: www.frauenwissen.at



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