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DIE LEBENSREISE DER MARTHA TAUSK© Leni Kastl (17.06.08)
Sozialdemokratie und Frauenrechte im Brennpunkt
Die Grazer Historikerin Brigitte Dorfer beschäftigt sich schon länger mit Martha Tausk, die 1918 als erste Frau in Österreich in der Steirischen Landesversammlung saß. Nun hat sie ihre Lebensgeschichte zu Papier gebracht.
as frühe Leben der 1881 in Wien geborenen Martha Frisch ist sehr geprägt von der k.u.k. Monarchie: Die tschechische Mutter ist politisch auch sehr an der Frauenfrage interessiert, der jüdische Vater stammt aus Galizien und betreibt eine Druckerei, in der auch Martha einige Jahre mitabeitet. Sehr jung heiratet sie Viktor Tausk, mit dem sie zwei Kinder hat und lebt mit ihm in Mostar und Zagreb. Die Ehe zerrüttet bald.
Schon 1911 tritt Martha Tausk der Sozialdemokratischen Partei bei und wird rasch zur talentierten Rednerin. Sie bekommt bald das Angebot, in Graz als Parteisekretärin zu arbeiten - auf diese Weise kann sie, inzwischen von Viktor Tausk getrennt lebend, auch ihre Kinder ernähren. 1919 zieht sie, nachdem sie schon 1918 als erste Frau in Österreich nach dem Ende der Monarchie in der provisorischen Landesversammlung saß, in den steirischen Landtag ein, wo sie sich auch sehr für die Belange von Frauen einsetzt. Sie hat noch weitere arbeitsreiche Aufgabengebiete über und wird schließlich in den Bundesrat entsandt. Sie kommt in Kontakt mit der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und nimmt das Angebot wahr, in Zürich für die Partei in der Frauenpropaganda mitzuarbeiten, wo sie ab 1928 die Zeitschrift “Frauenrecht” herausgibt. Hier kann sie ihre Talente bestens einbringen, sie schreibt politische und literarische Beiträge. Es kommt aber bald zu Zerwürfnissen innerhalb der Organisation, sie kommt für einige Zeit nach Österreich zurück.
Doch im austrofaschistischen Ständestaat gibt es keine Zukunft für Martha Tausk. So übersiedelt sie zu ihrem Sohn in die Niederlande, wo sie bis zu ihrem Lebensende 1957 bleibt. Sie engagiert sich unter den deutschsprachigen EmigrantInnen, auch als der zweite Weltkrieg vorbei ist, schreibt Artikel und macht Übersetzungen. Die SPÖ der Nachkriegszeit zeigt kein großes Interesse, die geflohenen SozialdemokratInnen zurück zu holen, sondern ist mehr damit beschäftigt, ehemalige Nazis zu integrieren und inhaltlich mehr in die Breite als in die Tiefe zu gehen.
Brigitte Dorfer hat als Mitbegründerin der FrauenStadtSpaziergänge Graz schon lange auf Martha Tausk als eine der vergessenen Frauen hingewiesen und hat sich auch sehr dafür eingesetzt, dass der vor einigen Jahren in Graz eröffnete “Martha Tausk Park” diesen Namen erhält. Die nun vorliegende Lebensgeschichte ist genauestens recherchiert, der flüssig und interessant zu lesende Text ist mit zahlreichen Zitaten aus Briefen und anderen Dokumenten ergänzt, das Leben der Persönlichkeit Martha Tausk ist gut im politischen und gesellschaftlichen Zusammenhang dargestellt. Brigitte Dorfer hat mit diesem fundiert recherchierten Buch einen wichtigen Beitrag gegen das doppelte Vergessen geleistet: dem als Frau und dem als vertriebener politischer Aktivistin. Sehr lesenswert!
 Brigitte Dorfer Die Lebensreise der Martha Tausk Sozialdemokratie und Frauenrechte im Brennpunkt
StudienVerlag, 2008 144 Seiten, broschiert € 19,90 / sFr 35,90 ISBN 978-3-7065-4539-6
Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)
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