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MALTHUS' WELT VON VILJA LIMBACH

© Leni Kastl (04.07.08)


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Eine Sozialfiktion

Vilja Limbach denkt in ihrem zweiten Roman global erkennbare Tendenzen konsequent zu Ende. Malthus' Welt ist die Utopie einer Gesellschaft, die sich an kapitalistischen Grundsätzen orientiert.



Vilja Limbach: Malthus Welt

s gibt “Leistungsträger”, von denen viele bis zu sechzehn Stunden am Tag arbeiten - um über die Runden zu kommen und, falls wirtschaftlicher Erfolg erreicht wird, ganz einfach um die Position zu halten. Ein Teil der Leistungsträger lebt so, was wir gehobene Mittelschicht nennen würden. Völlig heraus fallen die “Minimalkonsumenten”, die in Slums abseits der Städte von Betteln, Gelegenheitsarbeiten, Prostitution, Diebstahl und Drogenkonsum leben. Dazwischen steht die Klasse der “Arbeitsvermittelten”, die sich, um der Armut zu entgehen oder um Bildungsmöglichkeiten zu erlangen, schlichtweg versklaven lassen: So sieht es aus in “Malthus' Welt”, Vilja Limbachs zweitem im Mäzena Verlag erschienenen Roman.

In dieser Sozialfiktion gibt es keine gesellschaftliche Solidarität, kein staatlich gelenktes Bildungssystem - weil Staat abgeschafft ist, darum heißt es auch mit angesammelten Sozialversicherungspunkten gut haushalten, damit es bis zum Lebensende reicht - und letztlich sieht alles aus wie die überzeichnete Form unserer realen Welt, wenn die globalen und globalisierten Arbeits- und Lebensbedingungen mitgedacht werden.

Diese von Wirtschaftskonzernen geführte Gesellschaft wird in allen Hierarchieebenen beschrieben anhand der Lebensrealitäten der führenden Konzernchefin, der sie umgebenden versklavten DienstbotInnen und Arbeitskräfte, einer Modedesignerin, Akademikerinnen mit gutem Posten, die sich alle Annehmlichkeiten des Lebens inklusive sexueller Dienstleistungen leisten können, solange nicht unvorhergesehene Schicksalsschläge das Blatt wenden, bis zum Überlebenskampf einer zehnjährigen Prostituierten, deren einzige Chance zu Bildung und Verbesserung ihrer Lebenssituation es ist, sich als Arbeitsvermittelte auszuliefern. Das alles ist durchaus unterhaltsam und spannend zu einem gar nicht so kurzen Roman verpackt.

Ist “Malthus' Welt” ein Lesbenroman? Nun, das Buch wird von einem Lesbenverlag herausgegeben, die meisten wichtigen Figuren der Handlung sind weiblich und einige davon gleichgeschlechtlich orientiert - was in dieser nichtpatriarchalen Gesellschaft Teil der Norm ist - aber eben diese Figuren üben auch Unterdrückung einschließlich sexueller Ausbeutung aus: Und welche Lesbe möchte so etwas gerne lesen?

Die Zeiten sind offenbar vorbei, wo Frauen/Lesben sich als die besseren Menschen reklamieren können und die Autorin stellt somit die These auf, dass Turbokapitalismus auch ohne Sexismus und Rassismus funktioniert und dass auch Lesben längst ins neoliberale System auch ideologisch fest eingebunden sind. Literarisch läuft die Handlung flüssig dahin, es gibt einige interessante Nebenschauplätze, die Dialoge sind wie aus dem Leben gegriffen: Erzählerisch wäre es ein Buch für den Urlaub (für Science Fiction-Fans sowieso), inhaltlich ist es doch mehr was fürs Wochenende.

Vilja Limbach: Malthus Welt
Vilja Limbach
Malthus' Welt


MäzenaVerlag, 2008
389 Seiten, broschiert
€ 22,95
ISBN: 978-3-939650-02-7

Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)



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