Wolfsmutter.com - Abenteuer Feminismus
Ein Frauen-Portal zu neuen Wegen, abseits der Nebenstraßen!

MAGAZIN

20 JAHRE ENDLICH

© Frauencafé endlich (10.07.08)


Community

Hamburgs Café für Frauen feiert Geburtstag

Das Frauencafé endlich wird 2008 zwanzig Jahre alt. Es ist das einzige unabhängige Frauenprojekt Hamburgs, das im Laufe der Jahre expandieren konnte. Die Inhaberinnen beantworten hier fünf Fragen über Frauen, Politik und das Geschäft.



Frauencafé endlich, Hamburg

n Hamburgs City, in den spätbarocken Fachwerkhäusern schräg gegenüber der Laeiszhalle / Musikhalle, liegt das “endlich”, Hamburgs Café für Frauen. Frauen aus dem ganzen Stadtgebiet und auch auswärtige Besucherinnen genießen die gelungene Mischung aus Caféhaus, Bar und Restaurant, entspannen sich bei einem Kaffee oder Glas Wein und einer Zeitung, treffen sich zum plaudern und planen oder lauschen einer der zehn Lesungen im Jahr und/oder bewundern die aktuelle Ausstellung, feiern, lachen, debattieren, politisieren ...

Im August wird dieser Treffpunkt für Frauenkultur, Politik und Kommunikation 20 Jahre alt. Zu den Gratulantinnen gehören die Politikerinnen Krista Sager und Drin. Verena Lappe und viele Kulturschaffende und Frauen, die in den vergangenen Jahren vieles für Frauen angeschoben und bewegt haben. So auch die Verlegerin Christel Göttert, die Schriftstellerinnen Luise F. Pusch und Mirjam Müntefering, die Fotografin Karen Seggelke, die Initiatorin des “Gartens der Frauen” im Ohlsdorfer Friedhof, Drin. Rita Bake, die Vorsitzende von Terre des Femmes in Hamburg, Heidemarie Grobe, die Vorsitzende des B.F.B.M. Bundesverband der Frau in Business und Management in Hamburg, Esther Schweizer, und Corinna Nienstedt, Handelskammer Hamburg - um nur einige zu nennen.

Fünf Fragen - zwölf Antworten

Zum 20-jährigen Jubiläum beantworten Linda Schlüter und Karin Wilsdorf, Inhaberinnen des endlich, fünf Fragen über Frauen, Politik und das Geschäft.

Seit zwanzig Jahren betreiben Sie das Café endlich in Hamburg, seit mehr als zehn Jahren zusätzlich das benachbarte Frauenhotel Hanseatin. Sie veranstalten einmal im Jahr den Hamburger Frauenball und mehrmals jährlich große, externe Frauenpartys. Wieso engagieren Sie sich für Frauenräume?

Linda Schlüter:
Als wir uns vor zwanzig Jahren selbständig gemacht haben mit dem Frauenkulturcafé endlich, gab es kaum Auftritts- und Ausstellungsmöglichkeiten für Künstlerinnen, vor allem wenn sie noch nicht bekannt waren. Wir wollten ein Forum für Frauenkultur schaffen: einen Raum, in dem Künstlerinnen ein Publikum finden, und in dem Besucherinnen mit weiblichen Sichtweisen und Ausdrucksformen in Berührung kommen, die sonst im Verborgenen blieben. Dieser Austausch ist wichtig, damit Kultur sich entwickeln und Neues entstehen kann.

Karin Wilsdorf: Die Frauen genießen die Auseinandersetzung mit den Themen, die sie berühren, ganz anders, wenn sie sich nicht gegenüber Männern erklären müssen - auch heute noch. Sie äußern sich freier, kommen auf andere Ideen.

Linda Schlüter: Und dann war unser Café endlich immer auch ein Ort für Frauen, an dem sie sich entspannen konnten. Unser Café ist aus der Frauenbewegung heraus entstanden und spiegelt die Vielfalt und Lebensfreude der Frauen wider. Junge, ältere und alte Frauen, Lesben und Heteras, Frauen, die das Café wie ihr Wohnzimmer nutzen und zufällige Entdeckerinnen kommen zu uns ins Café. Es war und ist ein Ort außerhalb der Kontrolle des Patriarchats. Hier hat so manche Frau im Gespräch mit einer anderen erfahren, dass sie nicht alleine ist.

Karin Wilsdorf: Im Café endlich ging es nicht offensiv um den Kampf gegen Benachteiligung oder für mehr Frauenrechte. So nebenbei, während der Gespräche und beim Genießen der Speisen und Getränke, veränderte so manche ihr Bewusstsein. Frauen erleben hier, dass das Leben jenseits aller gesellschaftlicher oder familiärer Benachteiligung auch eine schöne Seite hat. Das Schönste ist, dass wirklich die unterschiedlichsten Frauen hier im Cafe miteinander kommunizieren, politisieren und sich respektieren. Das war in der Frauenbewegung der 70er noch ganz anders.

Sie haben sich nie nur als Gastronominnen verstanden, waren immer auch frauenpolitisch und -kulturell engagiert. Sie haben Lesungen, Ausstellung und Konzerte für Frauen von Frauen organisiert. Sie haben den Hamburger Unternehmerinnentag mit aus der Taufe gehoben und veranstalten den deutschlandweit ältesten und bekanntesten Frauenball. Wie bewerten Sie die Frauenbewegung heute? Was wurde erreicht? Was hat sich verändert?

Linda Schlüter: Gesellschaftlich hat sich viel getan und auch rechtlich, da sind Frauen heute deutlich besser gestellt und besser geschützt als vor zwanzig Jahren. Gerade in Bildung und Beruf konnten Frauen aufholen.

Karin Wilsdorf: Die Frauenbewegung hat Einzug in die Institutionen gehalten. Und vermutlich gibt es heute viel mehr Feministinnen als früher - ich meine nicht nur die Frauen, die sich stolz so nennen, sondern auch Frauen, die gleiche Rechte ganz selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen und dafür kämpfen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Zusammenleben im Zuge der sozialen Umbrüche und multikulturellen Herausforderung entwickeln wird. Es gibt ja auch in unserer Stadt noch Frauen und Mädchen, die um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie eine Entscheidung treffen, die der Familie widerstrebt. Wir können nur hoffen, dass in absehbarer Zeit alle Frauen ein selbsbestimmtes Leben führen können.

Wenn Sie zum Geburtstag einen Wunsch frei hätten an den Hamburger Senat, was würden Sie sich wünschen?

Linda Schlüter: Ich wünsche mir, dass ein eigener Etat für Frauen eingerichtet wird - für Soziales, Gesundheit, Forschung und Kultur. Finanzieren könnte man diese Mittel unter anderem aus den Geldern, die heute dem Staat Männergewalt kostet. Diese können die Verursacher selbst tragen - zum Beispiel Vereine zahlen Polizeieinsätze bei Fußballspielen selbst. Da gibt es noch unglaublich viel Geld was umverteilt werden kann.

Karin Wilsdorf: Konkret wünsche ich mir, dass in Hamburg wieder mehr Frauenhäuser finanziert werden. Und dass auch die anderen sozialen Projekte, die sich aus eigenen Mitteln nicht finanzieren können, wieder öffentlich unterstützt werden. Und mein Traum ist die Quotenregelung 50:50 in allen Bereichen! Da würde sich sehr schnell viel in Hamburg ändern! Und Hamburg hätte eine wunderbare Vorbildfunktion.

Schon von Mädchen behauptet man, sie wären schwerer zufrieden zu stellen als Jungen. Sie beide betreiben trotzdem seit Jahren erfolgreich ein Café und ein Hotel mit und für Frauen. Sind Frauen wirklich eine schwierige Klientel? Oder gibt es einfach ein paar Standards, die berücksichtigen sollte, wer erfolgreich mit Frauen ins Geschäft kommen will?

Karin Wilsdorf:
Ich glaube, Mädchen und Frauen stellen höhere Erwartungen an Mädchen und Frauen. Teil unseres Erfolgs ist da sicherlich, dass wir unsere Besucherinnen nicht nur als zahlende Menschen sehen, sondern jeder Frau persönlich und respektvoll begegnen. Die Frauen wissen, dass sie bei uns einen Platz haben und sich wohl fühlen. Es hat schon etwas sehr Privates hier.

Linda Schlüter: Wichtig zu wissen - Frauen vergessen nicht so richtig, wenn man einen Fehler gemacht hat. Da ist es aufwändiger, den wieder auszubügeln. Aber dieser Tick mehr an Aufmerksamkeit lohnt sich - denn so zu arbeiten macht deutlich mehr Spaß und wir bekommen viel von der Aufmerksamkeit zurück. Ich freue mich richtig, wenn eine unserer Gästinnen sagt “Toll, so etwas habe ich noch nie erlebt.”

Warum sollte jede Frau mindestens ein Mal im Leben Ihre Quark-Mandarinen-Torte probieren?

Karin Wilsdorf:
Weil sie Genuss pur ist!!

Linda Schlüter: Und: Die Quark-Mandarinen-Torte enthält die extra Portion Liebe für jede Frau.

Am 20. September 2008 ab 20 Uhr feiert das endlich seine große Jubiläumsparty im Café Seeterrassen (Planten un Blomen) - mit großer Lounge-Außenterrasse direkt am See und farbigen Wasserspielen.

Frauencafé endlich
Dragonerstall 11 · 20355 Hamburg · fon +49 (0)40 351616 · fax +49 (0)40 345825 · frauen@cafe-endlich.de · www.cafe-endlich.de


Du kannst ...  ...diesen Artikel ausdrucken  ...diesen Artikel an eine Freundin senden   ...diesen Artikel mit einem Lesezeichen versehen

Kommentare unserer Leserinnen...*

Du kannst ...: einen Kommentar schreiben

Es gibt noch keine Leserinnenmeinung zu diesem Artikel.

* Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasserinnen verantwortlich.

Wolfsmutter.com: nach oben