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MAGAZIN

JOHANNA DOHNAL - INNENSICHTEN öSTERREICHISCHER FRAUENPOLITIKEN

© Katharina Meißnitzer (11.12.08)


Politik & Gesellschaft

Zeitzeugnis einer streitbaren Feministin und politischen Insiderin

Sie prägte die österreichische (Frauen)politik wie keine andere. Im Wintersemester 2006 hielt Johanna Dohnal die Vorlesung mit dem Titel “Frauenpolitiken zwischen Aufstand, Widerstand und Anpassung” an der Universität Innsbruck und resümierte über Erfolge und Niederlagen.



Johanna Dohnal - Innensichten österreichischer Frauenpolitiken hg. von Erika Thurner und Alexandra Weiss

m Jahr 1979 wurde Frauenpolitik offiziell Teil der österreichischen Regierungspolitik, Johanna Dohnal wurde zur ersten Staatssekretärin für Frauenfragen ernannt.

Vorausgegangen waren dieser Tatsache seit Mitte der 1970er Jahre stattfindende Reformen, wie die schrittweise Liberalisierung des Familien- und Eherechts. Der Mann war nun nicht mehr das Oberhaupt der Familie, die so genannte “väterliche Gewalt” über die Kinder wurde eingeschränkt, Erbrecht und Staatsbürgerschaftsgesetz wurden zugunsten von Frauen geändert. Zudem war seit 1974 die “Fristenlösung” in Kraft, somit waren Abtreibungen erstmals straffrei möglich. 1978 wurde das erste Wiener Frauenhaus eröffnet. Das alles waren wichtige Schritte im Prozess der Befreiung aus patriarchalen Abhängigkeitsverhältnissen, die noch fest in den Geschlechterbeziehungen einzementiert waren.

Auf diese politischen Entwicklungen aufbauend und durch den gesellschaftlichen Druck durch die Neue Frauenbewegung gestärkt, versuchte Johanna Dohnal im Lauf ihrer Amtszeit rechtliche Verbesserungen für Frauen zu erzielen. Gleichberechtigung und Frauenförderung unter anderem durch Quotenregelungen, sowie Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen waren zwei Schwerpunkte. Am Beispiel des Gesetzes zur Vergewaltigung in der Ehe wird deutlich, wie lange es dauerte, bis es zu einer Enttabuisierung dieses Themas kam und dieses dann öffentlich diskutiert, auch als Strafbestand wahrgenommen wurde. Erst 1989 wurde die Vergewaltigung in der Ehe zu den Sexualstrafdelikten gereiht. Zum Thema Entkriminalisierung von Abtreibung gibt es ein eigenes Kapitel, das sich speziell mit Tirol auseinandersetzt, dort sind Abtreibungen ja bis heute in öffentlichen Krankenhäusern nicht möglich.

Dohnal versuchte Frauengruppen verschiedenster politischer und religiöser Ausrichtungen an einen Tisch zu bekommen, was bei ihrer gleichzeitigen Parteitreue zur SPÖ und Funktion als Regierungsmitglied wohl kein leichtes Unterfangen war, mehrfach aber gelang. Ihre Strategie waren groß angelegte, österreichweite Kampagnen und Aktionen, wie zum Beispiel eine öffentliche Sprechstunde im Ministerium für Frauen, an jedem Mittwoch. Im Jahr 1995 verließ sie die politische Bühne. Trotz zahlreicher durchaus negativer Erfahrungen berichtet Dohnal ohne Bitterkeit und mit Humor über ihre politische Vergangenheit. Durch ihren Mut und ihr Engagement ist sie zu Recht eine Ikone geworden, die nach ihrem Rückzug aus der Politik noch immer aktiv ist.

In Anbetracht sowohl des kurzen Zeitraums seit den Anfängen österreichischer Frauenpolitik, als auch der mühsamen Errungenschaft von Verbesserungen und deren potentiellen Bedrohung, dürfen Johanna Dohnals Kämpfe und die gesellschaftlichen Zusammenhänge mit denen sie verwoben sind, nicht in Vergessenheit geraten. Aus all diesen Gründen ist dieses informative, spannende und unterhaltsam zu lesende Buch erhellende Pflichtlektüre.

Johanna Dohnal - Innensichten österreichischer Frauenpolitiken hg. von Erika Thurner und Alexandra Weiss
Johanna Dohnal - Innensichten österreichischer Frauenpolitiken
Innsbrucker Vorlesungen
hg. von Erika Thurner und Alexandra Weiss

StudienVerlag, 2008
228 Seiten, gebunden
€ 17,90 / sFr 32,90
ISBN: 978-3-7065-4636-2

Buch bestellen (bei Berta - Bücher und Produkte, Graz)


LINKTIPP: www.johanna-dohnal.at



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