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MAGAZIN

FRAUENFRüHLINGSUNIVERSITäT 2009 IN GRAZ

© FrauenFrühlingsUni Graz 2009 (16.02.09)


Politik & Gesellschaft

3. - 8. April 2009

Anknüpfend an die Tradition der Frauensommerunis der 1970er und 80er Jahre bemühen sich seit drei Jahren engagierte Studentinnen an österreichischen Unis dieses Ereignis wieder alljährlich stattfinden zu lassen. Nach Wien und Salzburg geht es heuer in Graz weiter.



FrauenFrühlingsUni 2009

“Die FFU - das ist ein Ort des Austausches, der Geschichte und Geschichten, der Bildung, der Emanzipation und noch vieles mehr. Die FFU ist ein Projekt, das Frauen generationsübergreifend zusammenbringt, wo über Erfahrungen gesprochen, Politik diskutiert, Hergebrachtes und Eingefahrenes kritisiert, aber auch gemeinsam gefeiert, lustvoll gelebt wird.” (aus dem Salzburger Folder 08)

iel der Frauenfrühlingsuni ist es, einen gemeinschaftlichen Frauenraum zu schaffen - für Bildung, Vernetzung, Empowerment von Frauen und Frauenanliegen und somit auch Gesellschaftspolitik. Frauen verschiedener Kulturen, Generationen und sozialer Hintergründe können hier voneinander und miteinander lernen, breite Netzwerke aufbauen, neue Projekte ersinnen und somit selbst aktiv werden für eine gerechtere Gesellschaft.

Unsere Zielgruppe sind Frauen und Transfrauen ab 14, die sich mit Frauen- und Genderthemen von einem grundsätzlich emanzipatorischen Standpunkt aus auseinandersetzen, voneinander lernen, sich vernetzen wollen. Auf die Einbindung unterschiedlicher Generationen, sozialer Schichten und Kulturen wird verstärkt geachtet.

Inhalte

Themenachsen der FFU 09

Das Programm der Frauenfrühlingsuni wird anhand von drei Themenachsen organisiert. Eine vierte Achse “Dauerbrenner” bietet zusätzlich Platz für ständig relevante Themen beziehungsweise für allgemeine Einstiegsworkshops zum Thema Gender und Feminismus. Da wir verstärkt darauf achten wollen, mehrere Generationen einzubinden, sind diesmal in jeder Achse auch spezielle Workshops für 14-18-Jährige sowie für Seniorinnen geplant. Diese Extra-Workshops sollen aber nur den Einstieg in die FFU erleichtern, im Vordergrund stehen gemeinsame Veranstaltungen und Vernetzung.

Achse 1: Let's stop sexism: meine Rechte gegen Diskriminierung

Sensibilisierung für Diskriminierungen, insbesondere für Sexismen, jedoch gleichzeitig auch das Bewusstmachen der eigenen Rechte sind die Ziele dieser Achse. Recht(e) - das klingt oft sehr abstrakt und für Nicht-Expertinnen wenig zugänglich: Genau darum wollen wir auf einem niederschwelligen Niveau Aufklärungsarbeit leisten, vor allem auf einer sehr konkreten Ebene: Griffige Beispiele von Frauen aus der Praxis sollen Licht in Antidiskriminierungsgesetze und den Ablauf juristischer Prozesse bringen. Es sollen Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wie gegen Diskriminierungen vorgegangen werden kann, sodass die Teilnehmerinnen ein Stück mehr zur Selbsthilfe im Fall einer solchen befähigt werden.

Auch die Themen Mobbing und Gewalt in der Familie - leider immer sehr aktuell - sollen angesprochen werden: Wo kann ich mir Hilfe holen? Wir hoffen damit auch die Hemmschwelle zu senken, sich im Fall des Falles früher an Dritte zu wenden. Wichtig ist uns außerdem auszuprobieren und zu trainieren, wie frau alltägliche Diskriminierungen schlagfertig abwehren kann, was eine enorme Bedeutung für die eigene Psychohygiene beziehungsweise die Gewinnung von Selbstbewusstsein besitzt. Für “Fortgeschrittene” wollen wir das Thema theoretischer und auf klar universitärem Niveau ausloten: Hier können die Geschichte der Gleichbehandlungsgesetze ebenso wie Länderunterschiede behandelt und eine Diskussion über Wirksamkeit und Verbesserung des Bestehenden angeregt werden.

Achse 2: Frauen in Bewegung: Aktion und Aktionismus

Abseits von dem in der Achse 1 behandelten Rechtsthema geht es hier um alle Arten von (politischen) Handlungsformen, die zur Gleichbehandlung der Geschlechter beitragen können: Aktion und Aktionismus. Dies wird zwar auch auf einer theoretischen Ebene geschehen, auf der wir uns mit den Fragen auseinandersetzen werden, welche Handlungsformen die früheren Frauenbewegungen benutzt haben beziehungsweise welche Handlungsformen Frauengruppen auf der ganzen Welt heute einsetzen, um daraus zu lernen. Im Vordergrund steht jedoch klar das praktische Tun, die konkrete Aktion. Ob künstlerisch, über Körperbewegung oder Diskussionen - wir bieten einen Raum, in dem jede sich ausprobieren, ihr Potential entfalten und sich vor allem auch in Networking üben kann. Dadurch sollen innerhalb dieser Achse neue Frauen- und Genderprojekte entstehen, die auch außerhalb der FFU weiterwirken können. Besonders wichtig ist uns die Diversität der Frauen - wir werden aktiv versuchen verstärkt Seniorinnen und Migrantinnen einzubinden, zum Beispiel über Generationen-Erzählcafés oder Workshops, bei denen Kulturaustausch im Vordergrund steht.

Achse 3: Frauen in der Technik - Frauen in den Medien: verkehrte Welt(en)?

“Frauen in die Technik” heißt es allerorts, so wollen auch wir uns diesem Thema universitätenübergreifend nähern. Dieser Slogan weist in die Zukunft, er steht für ein wichtiges Anliegen der Gleichberechtigung beziehungsweise der Gender-Bewegung - die männerdominierten und stereotyp Männern zugeordneten Sphären der Technik den Frauen zu öffnen. Vielfältige Computer- und Informatikworkshops, wie Homepagegestaltung oder Computer zusammenbauen, sollen Interesse wecken, für komplette Neueinsteigerinnen werden spezielle Schnupperkurse angeboten. Das erste Computerprogramm wurde übrigens von einer Frau geschrieben: Mittels Frauentechnik- beziehungsweise Fraueninformatikgeschichte sowie auch der Einladung erfolgreicher Technikerinnen sollen konkrete Vorbilder geschaffen werden. Daneben ist jedoch auch Platz für Technikkritik aus weiblicher Sicht. In der Praxis kommt diese vor allem im Bereich der Medien zum Tragen, über die wir in dieser Achse ebenfalls nachdenken wollen, da gerade dort immer noch sehr wirksame Stereotype der Geschlechter, insbesondere der Frau, verwendet werden. Die Analyse von Werbungen, Filmen und Zeitschriften soll zur Diskussion über das Transportierte anregen. Auch das Thema Frauen in der Sprache - als eins der wichtigsten Alltagsmedien - kann behandelt werden.

Gedanke und Geschichte der Frauenuniversitäten

Ziel des Projekts Frauenfrühlingsuniversität ist, dass Frauen sich vernetzen, sich selbst organisiert weiterentwickeln und so aus der Veranstaltung neue Frauenprojekte entstehen. Auf der FFU wird Lehrendes und Lernendes ein Stück aufgebrochen; die Frauen sollen voneinander lernen, unabhängig von Herkunft oder offizieller Qualifikation kann frau ihr Wissen und Können weitergeben, was neben wissenschaftlichem Arbeiten auch viele praktische Dinge umfasst. Die Teilnehmerinnen der Frauenfrühlingsuniversität sollen nach Tagen des gegenseitigen Austausches zu verschiedensten frauenpolitischen (und anderen) Themen ein Gefühl der gestärkten Solidarität mitnehmen, sie sollen spüren, dass sie nicht alleine sind und die konkrete Erfahrung machen, dass frau mit anderen Frauen, die im gleichen Bereich tätig sind, gemeinsame Projekte starten und so selbst zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen kann. Das Projekt fördert so Frauensolidarität und ein aktives Eingreifen in gesellschaftliche Prozesse.

Die FFU steht im Gegensatz zum noch immer stark männlich geprägten Wissenschaftssystem. Nach wie vor sind Frauen in vielen, vor allem höheren Positionen unterrepräsentiert und stoßen immer wieder an Gläserne Decken. Und obwohl Frauen inzwischen mehr als die Hälfte der Studierenden an Österreichs Universitäten ausmachen, treffen Lehrinhalte und -methoden oft nicht die Lebensrealitäten von Frauen. Darüber hinaus werden Frauen beziehungsweise Leistungen von Frauen oft nicht thematisiert und auf diese Weise unsichtbar gemacht. Die Frauenfrühlingsuniversität will darauf aufmerksam machen und mithelfen dem entgegen zu wirken.

Seit den 1970er Jahren haben die Frauensommeruniversitäten im deutschsprachigen Raum regelmäßig stattgefunden. Die erste Frauensommeruniversität fand 1976 in Berlin statt, die erste FSU in Österreich gab es 1984. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Veranstaltung jährlich organisiert. Jeden Sommer trafen sich 300 bis 600 Frauen an jeweils einem anderen Universitätsort, um Workshops, Arbeitskreise, Diskussionen und öffentliche Aktionen zu frauenpolitischen Themen zu veranstalten. Wichtig waren vor allem das Hinterfragen der dominanten Kultur, der Anspruch aktiv in die Gesellschaft einzugreifen, demokratische Organisation, das Zusammentreffen über soziale Grenzen hinweg und vor allem die Bildung von Netzwerken. Im Einleitungsstatement des Abschlussplenums der Frauensommeruniversität 1986 hieß es:

“Das erste Netzwerk sind die FSUs selbst, bundesweite Zusammentreffen mit einer möglichst großen inhaltlichen Breite. Das Konzept der FSUs ist ja, daß sehr viele neue Frauen angesprochen werden, daß die Hochschulen geöffnet werden, daß inhaltlich ein vielfältiges Spektrum vertreten ist. Wir möchten, daß die FSUs ein öffentlicher Bestandteil der Frauenpolitik werden, und müssen uns fragen, wie wir die Kontinuität der FSUs sichern, ihre Verbreiterung weitertreiben, aber auch ihr inhaltliches Konzept verbessern können.”

Nach den aktions- und veranstaltungsreichen 70er und 80er Jahren fand im Jahr 1990 an der VHS Ottakring in Wien die vorerst letzte Frauensommeruniversität statt, an der ca. 600 Frauen teilnahmen. Viele feministische Projekte sind aus diesen Frauensommeruniversitäten entstanden (wie zum Beispiel die Frauenhetz, ein Verein für feministische Bildung, Kultur und Politik), welche auch heute einen wichtigen Beitrag leisten, damit die Gleichstellung der Geschlechter immer mehr zur Realität wird.

FrauenFrühlingsUniversität
3. - 8. April 2009
Technische Universität Graz

Information & Anmeldung:
www.frauenuni.net
ffu09@gmx.at

ZUM NACHLESEN:
“Trotz.dem. Immer wieder. Ansprüche, Widersprüche und Wirklichkeiten der FrauenFrühlingsUniversität 2007” hg. von Günther, Staritz, Abdallah, Daimler, Dietl, Wuich, Ambrosch, Löcker Verlag, Wien 2008



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